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Luxus in Reinform

Eleganz der Extraklasse: Sina Maria Eggl spricht im Interview über die Faszination Rolls-Royce
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Rolls-Royce ist der Inbegriff für Exklusivität. Kaum etwas steht für mehr Noblesse. Gegründet 1904 ist sie bis heute eine der traditionsreichsten Automarken überhaupt. Im britischen Goodwood schrauben 800 Spezialisten jährlich rund 3000 Edel-Karossen zusammen. Seit 2003 gehört die Brand zur BMW Group. Individuelles Leder, Holzfurniere mit Intarsien oder Monogrammen, spezielle Teppiche oder eine Lackierung, die es nur einmal gibt auf der Welt – »anything goes«, lautet das Motto.

Während man bei Rolls-Royce schnell an den distinguierten Chauffeur denkt, ist die britische Luxusmarke längst in die Zukunft gestartet. Und dazu gehört auch, dass man eine jüngere Zielgruppe ansprechen möchte. Unternehmensintern und vor allem im Bereich Design hat der Wandel längst stattgefunden. Sina Maria Eggl ist seit über fünf Jahren bei Rolls-Royce Motor Cars für Farbe und Ausstattung zuständig. Der Job der 29-Jährigen umfasst die Bereiche Karosseriebau, Sonderanfertigungen und Zubehör. Zudem arbeitet sie kontinuierlich an unterschiedlichen Rolls-Royce Motor Cars Projekten. Wir reden mit ihr im Interview über Frauen in einer Männerbranche und die Faszination Rolls-Royce.

LO: Was fasziniert Sie an der Marke Rolls-Royce?

Sina Maria Eggl: Schon als kleines Kind war ich fasziniert von Kunst, purer Eleganz und Handarbeit. Das hat sich bis heute nicht geändert. Jeder Rolls-Royce ist ein Kunstwerk, ein Unikat sowie ein Stück Haute Couture. Ich bin kein typischer »Petrol Head«, jedoch begeistert es mich alte sowie neue Handwerkskünste zu entdecken und mit den weltbesten Spezialisten anwenden zu dürfen. Über 90 % unserer Fahrzeuge werden unseren Kunden maßangefertigt und perfekt an ihren Lifestyle angepasst. Unsere Fahrzeuge konkurrieren nicht mit normalen Automobilen, sondern mit Super-Jachten, Private Jets, seltener Kunst oder besonderem Schmuck. Dementsprechend ist jedes Projekt neu, aufregend und einzigartig

LO: Was macht Ihre Arbeit aus?

SMR: In den wenigsten Jobs ist es erlaubt, nach Perfektion streben zu dürfen. Dies beinhaltet viel Zeit gepaart mit grenzenloser Passion, unermüdliche Ausdauer und die nötigen finanziellen Mittel. Bei Rolls-Royce Motor Cars darf man träumen, provozieren, herausfordern und bis zum letzten Moment für ultimative Eleganz, Verführung und Magie kämpfen. Diesen Spirit findet man unter Anderem in unserem Colour & Trim Design Team, in welchem ich arbeite. Wir beschäftigen uns mit einzigartigen Materialien, atemberaubenden Stoffen und Farben, den feinsten Veredelungen und seltenen Furnieren - das alles bedeutet »Bespoke« bzw. Maßanfertigung bei Rolls Royce. Letztendlich wird jedes - und sei es noch so kleine - Detail von unserem Team mit größter Passion und Detailliebe formvollendet. 

LO: Wovon lassen Sie sich bei Ihrem Design inspirieren?

SME: Generell reisen wir im Design Team unheimlich viel - sei es privat oder für Kunden oder Lieferanten. Wir halten dabei immer die Augen offen für Architektur, Haute Couture oder Street Style, Technologie, Möbeldesign oder Schmuckdesign. Teilweise ist es ein Moment oder ein spezielles Licht, was einen fasziniert und zu einer Idee inspiriert, ohne zu wissen, wofür man sie letztendlich einsetzten, kann. Teilweise vergehen Jahre bevor man sich plötzlich an den Moment zurückerinnert und die Idee umsetzten kann. Verschiedene kulturell bedingte Geschmäcker sowie bedeutungsvolle Farb- und Materialkombinationen zu erlernen, verstehen und deuten zu können ist essenziell für unseren Umgang mit internationalen Kunden. Hierbei ist Etikette und Tradition unheimlich wichtig. Ich persönlich ziehe unheimlich viele Ideen unter anderem aus alten Herrenhäusern oder Palästen, was wahrscheinlich wie ein sehr verstaubtes Hobby klingt, mich aber sehr dazu inspiriert alte und teilweise vergessene Handwerkskünste zu entdecken und sie neu und modern interpretieren zu wollen.

LO: Welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich als Frau in einem männerdominierten Bereich zu arbeiten?

SME: Ich bin sehr froh noch keine Nachteile erfahren haben zu müssen. Ich wurde mit blutjungen 21 Jahren 2013 Teil des Rolls-Royce Design Teams. Seitdem habe ich viel gelernt - vielleicht unter anderem Nachteile in Vorteile umzuwandeln. Es ist keine Seltenheit, die einzige Frau in einem Termin mit 30 Herren zu sein und sich hier auch noch durchsetzten zu müssen. Das scheint am Anfang natürlich unheimlich einschüchternd, jedoch lernt man sehr schnell, dass einem umso mehr Aufmerksamkeit und Gewichtung gelten, da man eben die einzige weibliche Stimme ist und somit immer herausstechen wird. Jede der Frauen in unserem Design Team ist ein sprichwörtliches »tough cookie«, d.h. wir wissen alle zusammen für was wir wie kämpfen müssen. Jedoch sind wir ein Design Team und unterstützen uns gegenseitig - egal ob männlich oder weiblich. Des Weiteren empfinde ich, dass Männer immer öfter eine weibliche Stimme hören wollen. Wir besitzen nochmal einen ganz anderen ästhetischen Blick, leben die weiblichen Etiketten und haben einen besseren Blick für Details. Es wäre diesbezüglich ignorant von den Herren nur 50 % alles Wissens abzufragen.

LO: Frauen spielen laut einer Studie eine immer größere Rolle beim Kauf von Luxus- Automobilen – schlägt sich das auch im Design nieder?

SME: Vor acht Jahren erzählte mir ein Rolls-Royce Dealer, dass er genau weiß, wann ein Kunde ernsthafte Absichten hat, einen Rolls-Royce zu kaufen – nämlich, wenn er seine Gattin mitbringt. Das hat sich seitdem sehr stark verändert. Wir bekommen immer mehr starke und unabhängige weibliche Kunden, die von unserem Produkt überzeugt sind. Gerade hier faszinieren unsere Materialien sowie unsere Personalisierungsmöglichkeiten. Umso wichtiger ist es, Frauen in Design Team zu haben, die gleichberechtigt das Design beeinflussen. Als ich mit 21 Jahren zu Rolls-Royce kam, waren wir genau zwei Frauen und 20 Männer. Acht Jahre später sind wir acht Frauen und 18 Männer. Wir arbeiten stark zusammen, um das perfekte Produkt für die nächsten Generationen designen zu können. 

LO: Rolls-Royce Motor Cars steht für grenzenlosen Luxus – Welche Grenzen gibt es in Bezug auf das Design?

SME: Über 80% aller seit 1904 gebauten Rolls-Royce sind immer noch auf der Straße. Das ist kein Zufall, sondern verdeutlicht unseren gewaltigen Anspruch an Qualität. Dies zeigt sich von Anfang an im Design-Prozess. Hier stellen wir sicher, dass Exterior - / Interior - und Colour & Trim Design eng zusammenarbeiten. Dies ist essenziell. Nicht jede Form bietet die perfekte Bühne für unsere Materialien. Diese würden bei einem falschen Form-Design bei der Produktion oder nach ein paar Jahren qualitativ und visuell versagen. Unser Anspruch ist jedoch Autos zu bauen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diesbezüglich kreieren wir die perfekte Form für das perfekte Material. Des Weiteren müssen unsere Furniere, Leder, Exterior Lacke und alle anderen Materialien harte Tests überstehen. Somit gehen wir zum Beispiel sicher, dass sich Hölzer nicht über die Jahre und durch die Sonne farblich verändern, die Farbkombination im Interior in 100 Jahren auch noch stimmt und dem originalen Kundenwunsch entspricht. Hier stoßen viele Materialien an Ihre Grenzen und wir müssen uns schweren Herzens von ihnen trennen. Nur Materialien, die all unsere Tests bestehen, dürfen am Ende unsere Fahrzeuge krönen.

LO: Wie würde ihr Traum Rolls-Royce aussehen?

SME: Ich bin ein großer Fan von Ton in Ton Farb-Kombinationen, die sich nur durch ihre Materialität oder Oberfläche sanft und hauchfein unterscheiden. Offenporiges, sich fastseidig anfühlendes »Calamander«-Holzfurnier fasziniert mich. Des Weiteren haben wir die Möglichkeit geschaffen, sich maßgeblich persönlich und künstlerisch im Interior unseres Kronjuwels, dem Phantom, mit dessen »Gallery« verwirklichen zu können. Die »Phantom Gallery« ist ein unvergleichbares einmaliges Designfeature, eine Bühne mitten im Armaturenbrett, geschützt von einer ununterbrochenen Glasscheibe. Hier können die delikatesten Materialien verarbeitet und präsentiert werden, wie z.B. hauchfeines Porzellan oder farbig schimmernde Federn. Dies würde ich auf jeden Fall für mich personalisieren.

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