Kolumne: Detox to Learn What

04.02.2016
HEADER_Kolumne_Lisa_Lanserhof Lisa Feldmann – Mein Leben als Chefredakteurin Immer war ich froh, wenn es vorbei war. Denn egal, wie heilsam sich die Detox-Kur nach F.X. Meyer insgesamt auf mein Leben ausgewirkt hat: Während der fünf bis acht Tage, die ich vor Ort verbringe, bin ich meist vor allem hungrig und fühle mich deswegen völlig verlassen. Verlassen von einem Mann, der rauchen darf und Wein trinken – weswegen unsere Telefonate eher knapp ausfallen. Verlassen von Freunden, die sich garantiert gerade auf eine Pizza treffen und Kollegen, die den Tag über geschätzte zwanzig Espressi in sich hinein kippen. Sie alle sind „auf der anderen Seite“, wie Adele das so unsterblich in Worte gefasst hat. Diesmal war ich im sogenannten Lanserhof. Die „Marienstein Privatklinik“ am Tegernsee, Extension des Entgiftungs-Eldorados nahe Innsbruck, eben, in Lans, besticht durch Architektur und Therapie-Portfolio. Beides ist absolut „State Of The Art“. Das zieht eine internationale Crowd an – durchschnittlich jünger, schlanker, spannender sind Kur-Gäste wohl auf der ganzen Welt nicht. Dass soviel Style seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Ich landete an einem Tisch – und jetzt kommt der Grund, warum ich diesmal tatsächlich schweren Herzens abgereist bin – mit vier anderen Frauen und einem Mann. Und noch während ich darauf zusteuerte, formulierte ich Gründe, mit denen ich die Direktion am kommenden Tag dazu bringen würde, mir einen der Einzeltische zu geben. Aber dann passierte schon bei der ersten „Kauschulung“ das Wunder: Es wurde gelacht! Während wir wahlweise Buchweizen-Toast, Dinkel-Semmel oder Dinkel-Fladen vorschriftsgemäß 30 Mal malmten, stellten wir uns vor und übersprangen mal rasch den Graben von „zufälliger Tischbekanntschaft“ zu „eingeschworene Leidenstruppe“. Dabei hätten wir unterschiedlicher nicht sein können. Eine Galeristin aus London mit schillerndem Nachnamen. Die Besitzerin eines Weingutes in der Toscana, die in Belgien aufwuchs und damit nonchalant die Tatsache begründete, fliessend fünf Sprachen zu sprechen. Sie war es denn auch, die unserer römischen Tischgenossin erklärte, warum man die vegane Brühe, die beim Lanserhof eine Abendmahlzeit darstellen soll, mit einem Teelöffel zu sich nimmt. Dann noch eine Engländerin mit Hunde- und Pferdeverstand, meine tatsächliche Seelenverwandte. Und – quasi als "special flavour" – ein einzelner Herr aus Wien. Älter als wir alle, immer leicht vergrätzt über irgendwas, aber gerade dadurch „quite funny“. In den nächsten Tagen wurde dennoch nicht nur gelacht, sondern Neflix-Serien, Bücher, Männer, Rebsorten, Detox-Kliniken, Kinder, Mode-Designer, Mütter, Brotback-Rezepte, Ausstellungen und Ski-Destinationen ausgetauscht. Selten habe ich ausserhalb meines Instagram-Accounts soviel qualifizierte Inspiration bekommen! Deshalb an dieser Stelle eine dringende Empfehlung: Nicht allein sitzen! Aber: Erstmal genau recherchieren! Detoxen kann man schliesslich inzwischen überall – doch wer da jeweils mit am Tisch sitzt….? Lisa_Feldmann_Kolumne_Essen_Lanserhof