We wear Culture: Googles digitales Gedächtnis

08.06.2017

[caption id="attachment_43860" align="alignnone" ]we-are-culture-google-arts-culture-fashion-kunstgewerbemuseum-berlin-lofficiel Naomi Campbell, Galerie Azzedine Alaia © Google Arts & Culture[/caption]

Die neue Modeplattform "Google Arts & Culture Fashion" wurde soeben gelauncht. In Paris sprachen wir mit den Initiatoren über ein visionäres Projekt, das die Industrie dringend nötig hatte

"Im Gegensatz zur Kunst erwartet man von der Mode durch die ihr unterstellte Profanität wenig, um nicht zu sagen keine Substanz." Einen Hauch künstlerisches Verständnis einem noch so kulturresistenten Mitmenschen auf den Weg zu geben ist eine Sache, das Feld der Mode in einen gesellschaftlichen Kontext zu setzen und ein allgemeines Interesse dafür zu wecken ist (abseits von Pinterest-Moodboards namens "That 70’s Inspo" oder Instagrams #ootd) auch 2017 noch eine ganz andere.

[caption id="attachment_43875" align="alignnone" ]we-are-culture-google-arts-culture-fashion-kunstgewerbemuseum-berlin-lofficiel Foto Museo Caminos Cuatro © Google Arts & Culture[/caption]

„We started small and sketchy and now it takes on a life of its own“

Googles neuestes Projekt  "Google Arts & Culture Fashion" begann vor mehr als zwei Jahren und zählt mittlerweile zu einem der größeren Projekte, denen sich das Unternehmen in Paris angenommen hat. Neben der eigentlichen Arts & Culture Webseite und App, gefüllt mit mittlerweile über 400.000 digitalisierten Kunstwerken, widmet sich das Mutterprojekt ab heute dem zusätzlichen Spielfeld der Mode.

Das Vorhaben? Ein universeller und einzigartiger Zugang zur Mode und dessen Bedeutung: "Mode als Kunstform und bedeutendes Handwerk mit ihrem nicht zu leugnenden Einfluss auf unsere Gesellschaft und das Individuum." "We wear culture" proklamiert Google dabei selbstbewusst.

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Kate Lauterbach, Leiterin von "Google Arts & Culture Fashion", reiste in den vergangenen Jahren rund um den Globus. Auf der Suche nach Museen, nach Exponaten und Partnern und mit dem Ziel Dagewesenes, Momentanes und Zukünftiges zu archivieren. "Es geht uns dabei nicht um aktuelle Trends. Dafür hätten wir auch gar nicht die Ressourcen. Wir wollen, so romantisch es klingen mag, Geschichten erzählen."

Und so entstand eine bemerkenswert unabhängige und neue Modeplattform, frei von kommerziellem und voll mit künstlerischem Inhalt: Gabrielle Chanels schwarzes Spitzenkleid, welches das Etikett CHANEL zum ersten Mal in der Geschichte des Modehauses trug und als weibliche Befreiung der Korsett-Silhouette gilt, wurde als aufwendige 360 Grad Aufnahme festgehalten – modische Fantasie wird in eine beeindruckende, virtuelle Realität verwandelt. Genauso wie der zarte, fast flüchtig wirkende Kimono der japanischen Marke Comme des Garcons: Er versinnbildlicht den modischen Einfluss über die letzten Jahrzehnte, den die Designerin Rei Kawakubo auf die westliche Gesellschaft und dessen Sicht auf Schönheit, Eleganz und Geschlecht hatte. Und wieder: 360 Grad, im Bewegtbild.

[caption id="attachment_43872" align="alignnone" ]we-are-culture-google-arts-culture-fashion-kunstgewerbemuseum-berlin-lofficiel Virtual Reality Experience, Chanel Black Dress, Musée Les Arts Décoratifs © Google Arts & Cultur[/caption] [caption id="attachment_43870" align="alignnone" ]we-are-culture-google-arts-culture-fashion-kunstgewerbemuseum-berlin-lofficiel Virtual Reality Experience, Comme des Garcons Kimono, Kyoto Costume Institute © Google Arts & Culture[/caption]

Das alles bewegt sich irgendwo zwischen richtig guter Unterhaltung, intellektuellem Archivgedanken und absolut herausragender Technologie. So bekommen wir Zugang zu exklusiv für das Projekt kuratierten Ausstellungen, Street View-Rundgängen in Museen und Exponaten, dargestellt in ultra-high Resolution (Gigapixeln). Eine Webseite als neue kulturelle Institution? Vielleicht ist es für diese Bezeichnung noch ein wenig früh, doch auf dem besten Weg ist Google damit. Wir blättern in den fragilen Seiten von jahrhundertealten Modedesignbüchern der Kyoto Bibliothek und verlaufen uns in Tokios Streetstyle. Die gesamten Inhalte werden von den teilnehmenden Museen bestimmt, Google gibt dabei alle inhaltlichen Rechte ab. Aktueller deutscher Partner ist übrigens das Kunstgewerbemuseum in Berlin.

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"We wanna reach people who don’t come through the front door, you know"

Und da wären wir dann wieder bei dem Thema der Substanz und Relevanz. "Die Kommunikation verläuft nicht in eine Richtung, sondern basiert auf Wechselwirkungen zwischen Gestalter – Objekt – Beobachter. Mode birgt sowohl Kategorien kreativer Techniken, als auch das Potenzial eines sozialen und gesellschaftlichen Austauschs", schreibt Ingrid Loschek 2007, ohne dabei überhaupt das digitale Medium schon in Betracht gezogen zu haben.

Für ein Unternehmen, dessen DNA so klar im Digitalen zu Hause ist, ist das Medium der Kern der ganzen Kommunikation. Mit dem starken Wunsch, dass Kunst, Mode und Kultur zukünftig stärker miteinander kommunizieren und fluktuieren, inspirieren und initiieren. Eben auch ein bisschen so, wie wir es meinen, auf Instagram zu tun. Nur in cool.