Interview: Fomme

03.04.2017

[caption id="attachment_40707" align="alignnone" ]focus-on-fomme-label-sarah-effenberger-lofficiel © Foto: Elizaveta Porodina | Fomme Autumn/Winter 17/18[/caption] In ihren Kreationen vereint Sarah Effenberger Frauen- und Männermode. Dabei bietet sie einen völlig neuen, unkonventionellen Ansatz − wir baten die Designerin zum Gespräch Ihr Werdegang ist, anders als ihre Mode, nicht klar strukturiert. Erst über Umwege fand Sarah Effenberger den Weg zum Ziel: Mit 19 zog sie nach Berlin, ohne einen ausgefeilten Plan zu haben. Es folgten drei Studiengänge in den Bereichen Mode, Visuelle Kommunikation und Modedesign – Letzteren schloss sie erfolgreich ab und fand auch endlich ihre Leidenschaft. Ihre modischen Visionen verarbeitet sie seither im Label Fomme. Das Ergebnis: verspielte, dennoch klare Silhouetten, die eine Art Aufgeräumtheit suggerieren. Worum geht es in deiner Mode? Mit Fomme möchte ich einen Anstoß geben, den Mann aus seinem festgefahrenen Bild zu befreien und zu beweisen, dass auch ein geschmückter Mann maskulin aussehen kann: sinnlich, ohne lächerlich zu wirken. Es liegt mir fern, ihm Frauenkleider überzuziehen und zu erwarten, dass sich der Blick auf ein solches Objekt mit einem Moment verändern kann. Auch ich halte trotz meiner Experimentierfreudigkeit an gewissen konservativen Sichtweisen fest. Ziel ist es allerdings die Geschlechtergrenzen aufzurütteln und wieder neu zusammenzufügen, um eine Gleichberechtigung in der Mode passieren zu lassen. [caption id="attachment_40730" align="alignnone" ]focus-on-fomme-label-sarah-effenberger-lofficiel © Fomme| Sarah Effenberger[/caption] Woher nimmst du deine Inspiration? Meine Mode verfolgt einen sehr nostalgischen Ansatz, um die Gegenwart zu gestalten. Ich blicke zurück in die Zeit vor der Industrialisierung, in der es für den Mann noch selbstverständlich war sich zu schmücken. Dazu treibe ich mich in der Mitte des letzten Jahrhunderts umher, als die Eleganz im Alltag noch einmal einen Höhepunkt erreichte, bevor die Zeit der Fast Fashion einbrach. Beide Aspekte drücke ich nun dem Mann auf, um mit den Elementen des modernen Zeitgeistes ein neues Bild zu erschaffen − wenn man so will eine nostalgische Moderne. In dieser Moderne hat die Eleganz für mich einen besonderen Stellenwert, da sich in meinen Augen nicht allzu viele Alternativen in der aktuellen männlichen Mode zu diesem Thema anbieten. Denkst du, dass die Gesellschaft für solche modischen Veränderungen bereit ist? Spätestens seit den 80er Jahren ist es normal, wenn sich Frauen an der Silhouette der Männer bedienen und sich männlich kleiden, andersherum gestaltet sich dies jeoch noch sehr schwierig. Das soziale Bild des Mannes verändert sich und ich hoffe, mit meinem Label einen Teil dazu beizutragen und den Männern, welche den Spaß an Mode teilen, etwas zu bieten, womit sie Extravaganz, Spaß und Eleganz mit dem Nötigen an Seriosität finden. [caption id="attachment_40727" align="alignnone" ]focus-on-fomme-label-sarah-effenberger-lofficiel © Foto: Elizaveta Porodina | Fomme Autumn/Winter 17/18[/caption] Kannst du mir deine Mode in ein paar Adjektiven beschreiben? Nostalgisch, bunt, klassisch, verspielt, und natürlich ganz wichtig: männlich Welche Person hast du im Kopf, wenn du entwirfst? Das ist eine tolle Frage, denn eine Muse ist für meine Arbeit sehr sehr wichtig. Ich habe mein ganzes Studium damit verbracht, eine Muse zu formen. Es sind dann wohl am Ende eine Anhäufung von mehreren Inspirationen geworden, die in meinem Kopf zu dem Fomme Mann verschmelzen. Darunter findet man viele berühmte Persönlichkeiten, die meine Auffassung von alternativer Männlichkeit verkörpern, wie z.B. Klaus Nomi, Stephen Tennant, Freddie Mercury oder auch auf eine selbst mir unverständliche Art und Weise Arnold Schwarzenegger, der für mich immer eine sehr naive und weiche Seite mit sich bringt. Gibt es auch Frauen, die deine Designs inspirieren? Ja, auch Frauen wie Edith Sitwell oder Tilda Swinton findet man unter den vielen tollen Personen, die mich antreiben. An sich auf den Blick sehr viele verschiedene Menschen, was allerdings alle meine Musen vereint, ist eine autarke Inszenierung ihrer Person und ein starker Charakter, welches der jeweiligen Persönlichkeit den Freiraum schafft, sich modische, non konforme Experimente leisten zu können. Der Fomme Mann ist in seinem Wesen sehr autonom, androgyn, anmütig und elegant und ganz besonders immer ein bisschen wie nicht aus unserer Zeit. Und er hat Schneid! Und welche Rolle spielst du in deinen Entwürfen? Wenn ich ehrlich bin, passiert diese Inspiration nicht völlig unabhängig von meiner eigenen Person. Meine Entwürfe entstehen auch unter dem Aspekt, es selbst tragen zu wollen. Im Endeffekt kreiere ich tatsächlich immer ein bisschen für mich als Mann. [caption id="attachment_40728" align="alignnone" ]focus-on-fomme-label-sarah-effenberger-lofficiel © Foto: Elizaveta Porodina | Fomme Autumn/Winter 17/18[/caption] Welche Attribute muss Mode erfüllen, damit sie gut ist? Und wie kann man etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war? Ich finde, es ist schwer zu sagen, wann Mode gut ist. Es hängt tatsächlich immer von den jeweiligen Auseinandersetzungen und Zielsetzungen einer Kollektion ab, um dies beurteilen zu können. Dafür sind diese in der Modewelt zu breit aufgestellt, als dass ich dies schnell herunterbrechen könnte. Für mich gewinnt Mode allerdings nur dann ihre Berechtigung, wenn sie aus einem natürlichen, eigenen und authentischen Antrieb heraus entsteht und nicht einfach nur einem Zeitgeist zwanghaft versucht zu folgen. Du zeigst seit Beginn direkt in Paris. Welche Beweggründe hattest du? Realistisch gesehen sehe ich mich leider gezwungen, Fomme außerhalb Deutschlands zu etablieren. In Deutschland existiert kein Markt, auf dem Fomme eine zukunftsorientierte und nachhaltige Chance hätte. Unser Produkt bedient eine zu kleine Nische und diese Nische muss erst einmal gefunden werden. Deshalb zeige ich in Paris. Paris ist immer noch Zentrum der Mode und die meisten Einkäufer aus aller Welt. Somit hat man viel mehr Möglichkeiten sich als Marke zu positionieren. Vielen Dank für das Interview! [gallery caption="© Foto: Elizaveta Porodina | Fomme Autumn/Winter 17/18" ids="40729,40726,40725,40722,40723,40721,40720,40719,40718,40717,40716,40711,40710,40715,40709,40708,40713,40712,40714"]