Interview: F.C. Gundlach

09.05.2017

[caption id="attachment_42478" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, "Op-Art Fashion", Athen 1965[/caption] Mit seinen Reportage- und Modeaufnahmen schrieb F.C. Gundlach deutsche und internationale Fotogeschichte – wir baten die Fotolegende zum Gespräch Seine Bilder gelten als richtungsweisend für die Modefotografie der Sechzigerjahre, sein dokumentarischer und zugleich hochkonstruierter Stil als revolutionärer Gegenpol zur weichgezeichneten Ästhetik der deutschen Nachkriegszeit. Architektonisch im Aufbau und kunstvoll in der Inszenierung, versteht F.C. Gundlach seine Aufnahmen als Konservierung des Zeitgeists, als fotografische Dokumente des gesellschaftlichen und modischen Umbruchs. Aber auch Sehnsüchte zählen zu seiner dokumentarischen Mission. Seine Bilder sollen die Menschen träumen lassen, vom Glamour des Lebens, ob in Berlin und Paris, im Schatten der Gizeh-Pyramiden, auf den Dächern von Manhattan, oder entlang der weiten Stränden der Copacabana – jene Orte, die er als Schaubühne seiner Bilder wählte. Bis heute bestimmt die Fotografie das Leben des mittlerweile 91-Jährigen. Als Sammler und Gründungsdirektor des Hamburger Hauses der Photographie trug er eine der bedeutendsten Fotokollektionen der Welt zusammen. Nun hat er die Kamera noch einmal in die Hand genommen, für die Jubiläumskampagne von Schwarzkopf, seine Rezitation eines früheren Werkes für die deutsche Traditionsmarke. Wir haben F.C. Gundlach am Set des Shootings besucht und uns mit ihm über sein bewegtes Leben unterhalten. Herr Gundlach, erinnern Sie sich an Ihre erste Aufnahme? Mit zehn Jahren bekam ich meine erste Kamera geschenkt, eine Agfa Box. Damit hatte ich viel Freude. Es gibt ein Bild, für das ich meinen Bruder und einen Freund auf einer Leiter arrangiert habe. Ich saß ganz unten, weil ich den Selbstauslöser in Gang setzen musste. Ein sehr inszeniertes Bild. Normalerweise würde man ja erwarten, dass Jungen in diesem Alter auf einem Bild Blödsinn machen, die Zunge herausstrecken oder so. Ich habe aber auch gerne Landschaften fotografiert. [caption id="attachment_42474" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, erstes Selbstportrait mit Freunden, Heinebach 1936[/caption] Wollten Sie schon immer Fotograf werden? Schon als Kind hat mich das Fotografieren sehr fasziniert. Mein Onkel besaß eine Dunkelkammer. Ich fand das immer ganz mysteriös, wenn er die rote Lampe anknipste und auf dem weißen Blatt plötzlich ein Bild erschien. Das war für einen 10-Jährigen schlicht unbegreiflich. Was wären Sie sonst geworden, wenn nicht Fotograf? Ich bin sehr früh eingezogen worden, gelang mit gerade mal 18 Jahren in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Ich glaube, eine Biografie kann man nicht voraussagen. Sie ergibt sich immer aus den Einschränkungen und Möglichkeiten, die einem das Leben bietet. Dass ich schließlich das Fotografen-Handwerk erlernen durfte, habe ich vor allem meiner Mutter zu verdanken. Haben die Erlebnisse im Krieg Ihr Leben und Werk geprägt? Natürlich. Die erste Begegnung mit dem Tod, das ist schon etwas anderes. Das bringt einen zurück auf den Boden. Und zum Nachdenken. Ich glaube, ich hatte viel Glück. Oder „Fortune“, wie ich gerne sage. Glück ist etwas einmaliges, etwas schnelles. Aber „Fortune“ ist etwas, das man empfindet und in einem entscheidenden Moment für sich ausborgt. [caption id="attachment_42472" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel Portrait F.C. Grundlach © Esther Haase[/caption] Nach dem Krieg haben Sie eine Ausbildung zum Fotografen in Kassel gemacht. Wie kamen Sie zur Modefotografie? Ich habe zunächst viele Reportagen fotografiert und kam 1950 nach Paris. Damals war Paris die Stadt der Welt. Sie blühte wieder auf, nach dem Krieg. Das war die Zeit des Film Noirs, des Existenzialismus, des Surrealismus. Im Fleury saß der Sartre mit seiner Entourage, oder der Coucteau. Die traf man alle auf der Straße! Zunächst habe ich dort einige Portraits zum französischen Film gemacht – für die deutsche Zeitschrift „Film und Frau“. Irgendwann kam Herr Waldenburger, der damalige Chefredakteur, dann auch für die Modefotos auf mich zu. Wer waren Ihre Vorbilder? Und wie kamen Sie zu der Zeit an deren Aufnahmen? Nach dem Krieg gab es die ersten großen Magazine, Harper’s Bazaar von Hirst und Vogue von Condé Nast. Sie lagen im Amerika-Haus in Stuttgart aus, wo ich damals mein erstes Atelier hatte. Die habe ich natürlich verschlungen. Mit Fotos von Avedon und Penn. Die wurden für die Modenschauen eingeflogen aus Amerika. Wie liefen die Schauen damals ab? In Paris brauchte man einen Ausweis mit Bild von der Chamber de Syndicalle, um überhaupt Zugang zu bekommen. Die Schauen waren am Nachmittag und dauerten meist drei Stunden. Damals war das Rauchen währenddessen sogar noch erlaubt. Man saß also auf diesen verdammten kleinen Goldstühlchen und es war strengstens verboten, zu zeichnen oder zu fotografieren. Man durfte sich nur informieren. Ich erinnere mich noch gut an die Schauen im Hause Dior. Das war ja nicht sehr groß. Also versuchte ich immer einen Platz auf der Treppe zu bekommen. Von dort aus konnte man dreimal den gleichen Look sehen, nämlich in drei Räumen. Das war wirklich gut. [caption id="attachment_42475" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach "Wilhelmina", Hamburg 1965[/caption] Wo wurde früher in Berlin Mode gezeigt? Unter den Linden gab es einige Salons. Und am Hausvogteiplatz, im Hause Gelsdorf, ein jüdisches Haus. Da gab es fünfzig kleine Salons und Zwischenmeister, auf jeder Etage saß ein anderes Unternehmen, zum Beispiel auch Nathan Israel, eines der ersten großen Modehäuser. Und wie haben Sie geshootet? Gleich nach der Schau mussten wir Fotografen die Nummern der Looks, die wir gerne hätten, bei den Pariser Pressedamen abgeben. Am Abend standen dann die gepackten Kartons für uns zur Abholung bereit. Ich ging aber immer erst ins Feinkostgeschäft und kaufte sogenannte Korruptionalien für die Damen, z.B. ein Döschen Kaviar, denn in Frankreich lief alles über Beziehungen. So hatte mein Team die gewünschten Looks dann als allererstes vor allen anderen, um Punkt 19 Uhr. Wir haben die Kollektionen dann nachts in einem gemieteten Atelier fotografiert. Warum nachts im Atelier und nicht im Freien bei Tageslicht? Die Häuser hatten es nicht gerne, wenn wir mit den Modellen am Tage nach draußen gingen. Christian Dior und Jacques Fath – damals die beiden großen Konkurrenten – waren nur durch eine Straßenecke voneinander getrennt, aber zwischen ihnen stand eine unsichtbare Wand, die reichte bis zum Himmel. Außerdem wurde die Kollektion am Tag nach der Show noch einmal großen Kunden wie Saks Fifth Avenue präsentiert. Manches wurde da auch direkt verkauft. Also kamen wir nicht drum herum, als unsere Lieblingsteile noch nachts zu fotografieren. Das war ganz schön stressig. Es gab immer ein, zwei Stücke, die jede Zeitschrift haben musste. Es konnte also sein, dass ein Look in einer Nacht durch drei verschiedene Ateliers gereicht wurde. [caption id="attachment_42479" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, "Vor den Cheopspyramieden", Ägypten 1966[/caption] Später reisten Sie für Ihre Modeproduktionen um die ganze Welt. Ja, später, zur Zeit der Pret-à-Porter, haben uns die Magazine für die Shootings um die Welt reisen lassen. Und zwar aus praktischen Gründen – die Sommerkollektion fotografierte man im Januar und Februar, die Winterkollektion im August. Hierzulande lag man mit den Jahreszeiten also immer falsch. Natürlich war das Reisen sehr aufregend, denn damals gab es noch keine Touristenreisen. Einmal habe ich eine große Serie in Ägypten fotografiert. Wer flog schon damals nach Ägypten? Die meisten Magazine machen das heute gar nicht mehr. Das stimmt, nur noch gelegentlich. Aber nicht mehr in dem Maße, wie wir das damals sehr oft gemacht haben. Früher gab es ja noch neue Welten zu entdecken! Hatten Sie ein Lieblingsmodel? Oh ja, in Paris gab es ein tolles Modell, Bettina. Bettina war eigentlich kein französischer, sondern ein internationaler Typ. Sie war sehr intelligent. Um sie rissen wir uns alle. Sie war immer ausgebucht. Wenn man Glück hatte, konnte man sie für einen Tag oder manchmal auch nur ein paar Stunden bekommen. [caption id="attachment_42471" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach "Weitwinkel Perspektive", Berlin 1963[/caption] Vielen Fotografen werden ja Affären mit ihren Lieblingsmotiven nachgesagt. Hat Ihnen mal ein Model Avancen gemacht? Aber natürlich. Manchmal ging das gut und man konnte mit einem Model für zwei Jahre arbeiten. Aber dann war es vorbei. Die Mode ändert sich und damit ändert sich eben auch der Typ. Die Spannung war weg. Mir war es aber auch immer wichtiger, die Freiheit zu haben, wählen zu können, wen ich fotografieren wollte, als an eine Person gebunden zu sein. Bei Helmut Newton saß beispielsweise immer June daneben. Sie hat immer Regie geführt bei seinen Shootings. Haben Sie ein Lieblingsbild aus Ihrem Werk? Ich mag dieses eng angeschnittene Portrait von Romy Schneider, bei dem sie nicht in die Kamera guckt, sondern in sich gekehrt wirkt und eine große Melancholie ausstrahlt. Das Bild wurde in einer einmaligen Situation aufgenommen. Sie war sehr unglücklich. Sie hat damals einen Film gedreht, in dem sie eine tragische Rolle spielte und der Film wurde nicht einmal herausgegeben. Da traf ich sie in Hamburg. Sie war ganz daneben. Ich habe ihr gesagt, sie solle ein Paar Sachen packen und in mein Atelier kommen. Dort habe ich sie vier Stunden lang fotografiert. Das Bild wirkt sehr intim – was ist das Geheimnis eines guten Portraits? Es ist ganz einfach. Wenn sich zwei Menschen begegnen, reden sie. Genauso ist jedes Portrait auch ein Dialog. Das Fotografieren ist eine Art Zeichensprache. Mit manchen Leuten kann man’s, mit manchen hingegen gar nicht. An diesem besagten Nachmittag waren wir zu dritt: Romy, mein Assistent und ich. Keine Maske, nichts. Wir haben alles selbstgemacht. So entstand die Intimität, die es braucht, damit ein Mensch sich öffnet. Romy war wahnsinnig scheu. Und dieses eine Portrait von ihr ist ein Bild, das ewig Gültigkeit besitzt. Es wird immer bestehen, ganz egal zu welcher Zeit Sie es betrachten. [caption id="attachment_42470" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, "Die andere Romy", Romy Schneider, Hamburg 1961[/caption] Und was hat Romy zu dem Bild gesagt? Aus dem Shooting entstanden einige Bilder, die Romy deutlich berührt haben. Sie hat sie dutzendweise bestellt. Und dann bekamen wir eines Tages die Überweisung aus Liechtenstein von einer Rosemarie Albach – ihr Mädchenname. Tausend Franken. Was macht generell ein gutes Foto aus? Es muss mich berühren und informieren. Es muss mich emotional ansprechen. Haben Sie ein Lieblingsbild eines anderen Fotografen? Eines meiner Lieblingswerke ist die „Dovima with Elephants“ von Avedon. Wer dieses Bild sieht, weiß warum ich mein Leben der Fotografie gewidmet habe und warum sie heute eine derartige Wertschätzung erfährt. Welches Jahrzehnt war für Sie fotografisch am spannendsten? Jede Zeit ist spannend, aber die Sechziger waren für mich die wichtigste Dekade, da hier noch die größten Veränderungen stattfanden. Von der Emanzipationsbewegung mitsamt der Pille bis hin zur Beat-Musik – ich erinnere mich noch gut an ein Konzert von Sylvie Vartan, die Freundin von Billie Holiday, bei dem die Beatles als Vorgruppe spielten. Zum ersten Mal revoltierte plötzlich die Jugend, vor allem auch in Frankreich. [caption id="attachment_42477" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, "Après-Ski auf der Avus", Berlin 1956[/caption] Auch modisch war das eine aufregende Zeit, oder? Natürlich. Die Mode reflektiert immer die Veränderung der Zeit. Wenn sich die Gesellschaft verändert, dann verändert sich auch die Mode. Auch die Akzeptanz von Dingen. Nehmen wir einmal die Rocklänge als Beispiel. Das weibliche Knie war lange Zeit umkämpft. Yves Saint Laurent zeigte 1960 eine Kollektion – kniefrei. Leider war es auch seine Letzte bei Dior. Sie haben ihn sozusagen geprügelt. Fünf oder sechs Jahre später konnten die Röcke nicht kurz genug sein. Die Frauen spielten plötzlich eine Rolle in der Gesellschaft. Sie waren nicht mehr nur das Heimchen am Herd. Wie haben Sie den Übergang zur Pret-à-Porter erlebt? Für die französische Mode war das ein großer Schlag. Anfang der Sechziger brach in Paris der Enge Kreis um Nina Ricci, Lanvin und die etablierten Häuser auf, viele Designer machten sich selbstständig. Nina Ricci gehörten zu den Ersten, die eine Pret-à-Porter zeigten. Was haben die Designer damals geschimpft, von wegen „jetzt geht unser Ruhm zu Ende!“. Es dauerte aber keine drei Jahre und sie machten alle Pret-à-Porter Kollektionen, denn die Gesellschaft hatte sich verändert. Die Sechziger waren außerdem die Hochzeit der Pop-Art – auch ein Einfluss auf Ihr Werk? Kunsttendenzen haben mich schon immer interessiert. Wir sind damals fast umgefallen, als wir Andy Warhols Brillo-Kartons sahen – das sollte Kunst sein? Und die Pop-Art Farben. Völlig neue Farben! Mitte der Sechziger habe ich eine Modeserie vor Kunstwerken fotografiert, alles großformatige David Hockney Gemälde wie „A Bigger Splash“. Die hatte ich alle als Originale im Studio stehen. Leider habe ich sie dem Galeristen damals nicht abgekauft. [caption id="attachment_42476" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, Minikleider von Chiwitt vor David Hockneys "A bigger splash", Hamburg 1969[/caption] Dabei sind Sie ein passionierter Kunstsammler. Wie sammelt man eigentlich richtig? Mit Leidenschaft und Wissen. Für das Haus der Photographie in Hamburg habe ich eine Dauerleihgabe gemacht. Die Sammlung erzählt die Geschichte der Fotografie anhand von sorgfältig ausgesuchten Bildern, die ich über die Jahrzehnte zusammen getragen habe. Und ich sammle immer weiter. Haben Sie sich schon einmal über einen Kauf oder Verkauf geärgert? Oh ja. Ich hatte ein Bild von Baselitz, ein ganz frühes Werk aus der berühmten „Helden“-Reihe. Fünfzehn Jahre lang. Eines Tages habe ich gesagt: „So, jetzt wird nur noch Fotografie gesammelt.“ Der Baselitz musste gehen und wurde in Fotografie verwandelt. Als ich wenig später in New York war, sah ich mein Bild als Werbemotiv auf einem Bus an mir vorbeifahren. Dann bin ich ins Guggenheim Museum gegangen und da hing mein Bild. Da war ich ein bisschen traurig. Wie stehen Sie eigentlich zur digitalen Fotografie? Sie ist nicht mehr aufzuhalten. Digitale Fotografie ist ja auch Fotografie, nur eben ein anderer Zweig. Sie wird sich permanent verändern und es ist gar nicht abzusehen, in welche Richtung. Eine Fotografie auf Papier ist ein Dokument für immer. Wenn sie nur einen Datensatz haben, der irgendwo abgespeichert ist, wird es mit der Ewigkeit etwas komplizierter. [caption id="attachment_42473" align="alignnone" ]fc-gundlach-interview-fotografie-lofficiel © F.C. Grundlach, "Gesehen in Berlin", Lissy Schaper, Berlin 1961[/caption] Mit dem Digitalen hat sich auch das weibliche Schönheitsideal stark verändert – was halten Sie von Photoshop? Heute ist alles möglich. Das digitale Zeitalter erlaubt uns Menschen, die unterschiedlichsten Rollen zu spielen. Wie wurde früher eigentlich retuschiert bzw. in welchem Ausmaß? Wir haben früher mehr korrigiert als retuschiert. Bei wichtigen Fotostrecken bin ich in die Druckerei gefahren und habe mit den Angestellten geredet, ihnen gesagt, welche Farben mir wichtig sind. Da entstand ein richtiger Dialog. Heute gestaltet man ja allein mit dem Digitalen. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit der digitalen Technik. Das war 1979 in der Druckerei. Wir standen an einer Maschine, die war etwa zwei Meter breit, wog eine Tonne. Ein sogenannter Scanner. Wie geht es nun mit der Fotografie weiter? Es ist eine Frage des Standpunktes. Es ist doch so, dass Albrecht Dürer vor fünfhundert Jahren nur mit einem Bleistift seine Zeichnung gemacht hat. Den Bleistift gibt es noch heute – und noch heute kann man mit ihm zeichnen. Ein Akzent der Fotografie wird genauso übrig bleiben. Oder ein Potential. [gallery ids="42769,42767,42768,42770"] Das klingt irgendwie ein bisschen traurig. Aber auf der anderen Seite ist es doch so. Angenommen, ich mache jetzt ein Foto von Ihnen und Sie lächeln. Dieses Lächeln ist ein Dokument für die Ewigkeit – denn auf dem Papier lächeln Sie fünfzig Jahre lang. Auch wenn Sie in fünfzig Jahren nicht mehr erklären können, warum Sie gelächelt haben. Aber Sie haben gelächelt. Wenn es keine Fotografie gäbe, würde den Menschen also ganz schön was fehlen, oder? Natürlich. Bevor die ersten Fotografien gemacht wurden, wussten die Leute doch noch gar nicht, wie die Welt in Wirklichkeit aussah. Heute hat die Fotografie aber längst eine andere Aufgabe als bloße Realität abzulichten, von der wir wissen, dass es ohnehin immer auf die Perspektive ankommt. Seit Mitte der Siebziger kann sie sich als autonomes Kunstmedium behaupten. Sie sagten einmal, Ihre Aufgabe sei es gewesen, Träume zu erschaffen. Würde das heute überhaupt noch funktionieren? Oh ja. Wir alle lieben es zu träumen. Damals wie heute. Besonders nach dem Krieg sehnte man sich danach, in Fotografien ein wenig Glamour und letztendlich auch Hoffnung durchschimmern zu sehen. Daran hat sich heute kaum etwas geändert. Fotografie, Mode und die Erschaffung von Träumen – das alles ist für mich nach wie vor untrennbar miteinander verbunden. Vielen Dank für das Gespräch.