In Erinnerung an Ren Hang

27.02.2017

[caption id="attachment_37418" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel „Die meisten meiner Models sind meine Freunde. Fremde machen mich nervös" - Ren Hang © TASCHEN[/caption] Am vergangenen Freitag ist Ren Hang verstorben. Wir hatten den chinesischen Fotografen in unserer März-Ausgabe portraitiert. Anlässlich seines Todes zeigen wir hier noch einmal den Artikel im Original Der neue Shootingstar Ren Hang kommt aus China. Er fotografiert seine Freunde – nackt in der Wohnung, auf dem Hausdach oder im Park. Der Künstler ist dafür heute so berühmt wie der Amerikaner Ryan McGinley es für seine Bilder in den Nullerjahren war. Ren Hang wird international ausgestellt und jetzt erscheint ein Bildband. Wir stellen seine Kunst vor. [caption id="attachment_37401" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang © TASCHEN[/caption] In einem Interview sagte Ren Hang einmal, dass er nicht lange über seine Fotos nachdenke, dass er das fotografiere, was er sehe, dass er nicht inszeniere, dass er seine Modelle einfach machen lasse, er habe zwar Ideen, aber sie pinkelten, weil sie Lust darauf hätten, und nicht, weil er sie dazu ermuntere. Ren Hang ist ziemlich jung, und man möchte ihm diesen Genius auf keinen Fall absprechen. Aber ganz so naiv, wie er seine Kunst darstellt, ist sie nicht. Sie ist im Gegenteil ziemlich durchdacht. Auf den ersten Blick fällt das nur nicht auf. Nackte Haut und junge Körper sind halt so aufregend, dass man draufstarrt oder – auch das kommt vor – sich schockiert abwendet. Beides ist erlaubt. [caption id="attachment_37399" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel „In China ist es verboten, nackt in der Öffentlichkeit aufzutreten. Aber ich liebe das Land und seine Leute" - Ren Hang © TASCHEN[/caption] Ren Hang, geboren 1987 im Nordosten von China, spielt ja auch mit der Pornografie, nur ohne sie zu bedienen. „Erigierte Penisse sind schöner“, sagt er. Das mag stimmen, ist letztlich aber egal. Wichtig ist, dass Ren Hang den Fokus vom Voyeurismus hin zur sogenannten interesselosen Kunstbetrachtung verschiebt. Ihm geht es, mit anderen Worten, um Ästhetik und nicht um Sex. Seine Bilder, zusammengestellt für einen neuen Katalog, zeigen das. Schon die Requisiten treten in den Fotos auf wie Darsteller, stehlen den Modellen fast die Schau. Ein Plastikspielzeug-Drache mit aufgerissenem Maul steuert auf einen Penis zu und wird mit einem Urinstrahl abgewehrt. Der Kopf eines jungen Chinesen verschwindet in einer Unterhose, aus der das Objekt der Begierde Reißaus nimmt. Die Schauplätze wiederum lassen seine Modelle wie Skulpturen aussehen. Sie legen sich in den städtischen Raum und vereinen sich mit der Architektur; sie verharren in der Natur und verwachsen mit Pflanzen. So erreicht Ren Hang, dass nicht nur junge Körper, sondern auch die Umwelt, die sie formt, betrachtet werden. In der Volksrepublik China bedeutet das in sehr vielen Lebensbereichen der Staat. Zusätzlich arbeitet er mit Tieren, die wie der Schwan an griechische Mythologie oder der Fisch an christliche Ikonographie anknüpfen. Nichts davon ist Zufall, auch wenn seine Fotos zufällig wirken. Gerne wird Ren Hang mit Ryan McGinley verglichen, der Name Wolfgang Tillmans fällt, Francesca Woodman sollte man auch nicht vergessen. Die ersten Arbeiten entstanden in seiner Wohnung. „Wenn Vögel nicht bereit sind, in einem Käfig zu leben, wie sollen Menschen es in ihren Häusern aushalten?“, fragt Ren Hang in einem Gedicht auf seiner Homepage. Die Antwort gibt er selbst. Es ist seine Kunst.  [caption id="attachment_37408" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang © TASCHEN[/caption] [caption id="attachment_37407" align="alignleft" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel „Mir ist das Geschlecht egal. Es interessiert mich nur, wenn ich Sex habe. Aber ich denke, erigierte Penisse sind die schönsten Penisse“ - Ren Hang © TASCHEN[/caption] [caption id="attachment_37398" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang © TASCHEN[/caption] [caption id="attachment_37439" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang © TASCHEN[/caption] [caption id="attachment_37437" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang © TASCHEN[/caption] [caption id="attachment_37438" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang © TASCHEN[/caption] [caption id="attachment_37396" align="alignnone" ]feature-ren-hang-chinesischer-fotograf-kunst-Lofficiel Ren Hang, TASCHEN, 312 Seiten, etwa 40 Euro[/caption] Dieser Artikel ist in der März 2017-Ausgabe von L’Officiel erschienen. Autorin: Antje Stahl In Erinnerung an den Künstler findet am 05. März 2017 von 15 bis 20 Uhr eine Ausstellung im Pariser Boon Space (9 bis Rue de Lesdiguières) statt.