Herzensangelegenheiten

14.02.2017

[caption id="attachment_36377" align="alignnone" ]herzen-trend-rot-saint-laurent-valentino-gucci Saint Laurent Fall 2016 © Marcio Madeira[/caption] Bei den Designern kommen die Herzen nicht von Herzen – vielmehr sind sie Zeichen von Bruch und Dualität Es gibt wohl kaum etwas Passenderes für die Mode als Symbole. Wenn Models und Kollektionen im Minutentakt an Modenschauengästen vorbei über den Laufsteg schwirren, und heute auch im Sekundentakt in unseren Instagram-Feeds auftauchen, geht es ums möglichst schnelle Erfassen, um das Begreifen von etwas, noch bevor wir überhaupt genau wissen, was dieses etwas ist. Dann ist da zunächst ein Gefühl, das später zwar dem Wissen, vermittelt durch Reviews und Informationen, weichen muss, trotzdem aber bestimmend für den so oft zitierten ersten Eindruck bleibt – und eben am einfachsten durch plakative Zeichen transportiert werden kann. [caption id="attachment_36384" align="alignnone" ]herzen-trend-rot-saint-laurent-valentino-gucci Valentino Spring/Summer 2017 © Marcio Madeira[/caption] Der Vorreiter dieser Assoziations-Parade ist dabei wohl das Herz, nur so behaftet mit Verknüpfungen, als Form sofort erkennbar und als Sinnbild der Liebe schnell in die Wohlfühl-und Wonne-Schublade gesteckt. Bis ein paar Designer kamen und es dort wieder herausbugsierten. Denn für ein Bild von Romantik steht das Herz, mit der Mode als Rahmen, bestimmt nicht. Eher findet es sich in Kontexten wieder, die so eigentlich gar nicht zu seiner rosa-roten Welt gehören – ihm dann aber ganz neue Bedeutungsebenen verpassen. [caption id="attachment_36379" align="alignnone" ]herzen-trend-rot-saint-laurent-valentino-gucci GUCCI Spring / Summer 2017 © Marcio Madeira[/caption] Alessandro Michele, bekannt für seine vor Opulenz nur so strotzenden Kollektionen, rammte dem Herz in der vergangenen Saison bei Gucci mal eben einen Dolch durch die Mitte. Das passt im ersten Moment vielleicht nicht zur romantischen Art des Designers, doch aber zu der theatralischen Ader, die sich durch Micheles Entwürfe zieht. Und nicht nur das Herz, sondern auch Micheles eigene Ästhetik wurde ein bisschen gebrochen. [caption id="attachment_36382" align="alignnone" ]herzen-trend-rot-saint-laurent-valentino-gucci © PLAY Comme des Garcons[/caption] Während bei Gucci das Herz also das Zeitliche segnet, wird es bei PLAY Comme des Garçons dagegen erst zum Leben erweckt. Der Künstler Filip Pagowski kreierte 1999 das Logo mit den zwei Augen für Comme des Garçons' Unterlinie – wieder ein Bruch mit der eigentlichen Ästhetik der Marke. Denn was könnte weiter entfernt sein von Rei Kawakubos avantgardistischer, konzeptueller und doch vor allem schwarzer Mode, als ein verspieltes, kleines Herz, das neckisch von Ringelshirts lugt. [caption id="attachment_36380" align="alignnone" ]herzen-trend-rot-saint-laurent-valentino-gucci Saint Laurent Fall 2016 © Marcio Madeira[/caption] Und dann wäre da noch Hedi Slimane, der für den finalen Look seiner letzten Show (Fall 2016) als Creative Director bei Saint Laurent einen roten Mantel in Herzform wählte. Ein letzter großer Auftritt, die Models schritten zumindest ganz andächtig eine ausladende Treppe hinunter, eine große Geste, ein großes Herz – und darunter ein kurzes Kleid, gepaart mit pechschwarz geschminkten Augen. Slimane interpretierte das Herz zwar als Zeichen von Wärme, paarte es aber auch mit Geheimnis und Nonkonformität. So ist das Herz in der Mode vielleicht nicht die klassischste Version seiner selbst, dafür aber bestes Beispiel für das, was Kleidung und Kollektionen doch ausmachen: Die Möglichkeit, auch mal eine ganz neue Identität anprobieren zu können.