Berlinale 2017: Make Kino great again

01.02.2017

[caption id="attachment_35574" align="alignnone" ]HEADER_Berlinale_Lofficiel I AM NOT YOUR NEGRO, Raoul Peck © PR[/caption] Die 67. Berlinale findet vom 9. bis zum 19. Februar statt – das sind unsere fünf Filmtipps Ich würde Donald Trump empfehlen, zur Berlinale zu gehen. Nicht, weil ich im Kino neben ihm sitzen oder seinen Auftritt mit Gattin Melania Trump auf dem roten Teppich sehen möchte. Ich wünsche mir, dass ihm die Filme zeigen, wohin Populismus, Fremdenfeindlichkeit und die Zerstörung der Umwelt führen können. Vielleicht würde er dann eines seiner Dekrete überdenken. Laut Berlinale Direktor Dieter Kosslick sollen die über 400 Filme des Programms die Vielfalt der Welt widerspiegeln und Antworten für zeitgenössische und gesellschaftliche Fragen liefern. Antworten, die nicht so simpel sind, wie es die Populisten in ihren Reden darstellen. Das beweisen diese fünf Filme. DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG Khaled, ein junger Syrer, kommt als blinder Passagier nach Helsinki und beantragt Asyl – vergeblich. Wikström, ein frustrierter Handelsvertreter für Krawatten und Männerhemden, kündigt seinen Job und kauft ein Restaurant im letzten Winkel von Helsinki. Zwei Schicksale, die sich zu einer Geschichte verbinden, als Wikström Khaled nachts schlafend im dunklen Hinterhof seines Restaurants findet. Der Film des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki läuft im Rennen um den goldenen Bären und zeigt, wie und dass die Welt besser sein könnte. Und sollte. I AM NOT YOUR NEGRO In seinem Dokumentarfilm inszeniert der Regisseur Raoul Peck 30 bislang unveröffentlichte Manuskriptseiten des bedeutenden US-Autor James Baldwin. Anhand von Archivfotos, Filmausschnitten und Nachrichten-Clips zeigt er die persönlichen Erinnerungen des Schriftstellers an seine drei ermordeten Bürgerrechtler-Freunde Malcolm X, Medgar Evers und Martin Luther King und seine schmerzhafte Lebenserfahrung als Schwarzer in den USA in den 1950er- und 60er-Jahren. Getragen wird der Film auch von Samuel L. Jacksons Stimme, die dem poetischen Baldwin einen angemessenen Ausdruck verleiht. T2 TRAINSPOTTING In derselben Besetzung wie vor 20 Jahren führt Regisseur Danny Boyle die Geschichte seines Erfolgsfilmes Trainspotting fort. Renton (Erwan McGregor) kehrt an seinen Heimatsort zurück, an dem sich vieles verändert zu haben scheint. Doch nur auf den ersten Blick. Für seine Freunde blieb alles beim Alten: Drogenexzesse, Arbeitslosigkeit, Haftstrafen. Noch einmal mehr muss sich Renton vor dem endgültigen Absturz retten. [caption id="attachment_35591" align="alignnone" ]© PR UNA MUJER FANTASTICA, Sebastián Lelio © PR[/caption] UNA MUJER FANTASTICA Marina und Orlando lieben sich, für sie verlässt der verheiratete Orlando seine Familie. Als er unerwartet stirbt, ist Marina am Boden zerstört. Seine Familie begegnet ihr mit Wut und Misstrauen, sie fühlt sich von Marinas sexueller Identität bedroht – Marina ist eine Transgender-Frau. Doch genauso, wie sie um ihr Recht, als Frau zu leben gekämpft hat, fordert sie ihr Recht auf Trauer ein. Der Regisseur Sebastián Lelio zeigt die Protagonistin als eine lebenskluge und beeindruckend starke Frau. IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS Als „Volltreffer“ bezeichnet Dieter Kosslick diesen Film des deutschen Regisseurs Matti Geschonneck. Die Bestseller-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Eugen Ruge präsentiert ein Gesellschaftsbild, in dem Wege und Irrwege des 20. Jahrhunderts am Beispiel einer auseinanderbrechenden Großfamilie in der DDR aufgezeigt werden.