Interview: Marina Hoermanseder

18.01.2017

[caption id="attachment_34008" align="alignnone" ]interview-fashion-week-berlin-marina-hoermanseder-lofficiel Marina Hoermanseder Spring Summer 15 © PR[/caption]

Dramatische Chorgesänge und geile Popmusik – am Donnerstag zeigt Marina Hoermanseder auf der Berlin Fashion Week ihre neueste Kollektion

Dass Marina Hoermanseder ihren eigenen Weg geht, war schnell klar. Wenig Berlin und viel Weitsicht steckt in ihren Entwürfen. Ihre Mode macht sie dadurch zur Marke. Ein Gespräch über gregorianische Chöre, selbstbewusstes Branding und ästhetische Orthopädie.

[caption id="attachment_34043" align="alignnone" ]interview-fashion-week-berlin-marina-hoermanseder-lofficiel Marina Hoermanseder Spring Summer 15 © PR[/caption]

Liebe Marina, läuft bei dir auch in dieser Saison „Warum bin ich so fröhlich“ von Alfred J. Kwak im Atelier? Hah, diesmal nicht. Zwischendurch gibt es zwar Fröhliches aus den 90ern, aber im Atelier quäle ich momentan alle mit furchtbar lauten gregorianischen Chören.

Das klingt ja fast schon nach Heiliger Messe. In der Tat wird diesmal alles etwas düsterer. Wir zeigen dunklere Mode begleitet von einem Mix aus dramatischen Chorgesängen und geiler Popmusik.

Kannst du mir das Label „Marina Hoermanseder“ mit ein paar Adjektiven beschreiben? Handwerklich, verspielt, fetischistisch, geformt, lackiert, dankbar und nahbar.

[caption id="attachment_34049" align="alignnone" ]07_Marina_Hoermanseder_Lofficiel Marina Hoermanseder Spring Summer 16 © PR[/caption]

Apropos geformt. Durch harte und starre Materialien zeigen deine Entwürfe die weibliche Silhouette oftmals sehr detailliert. Enthüllen durch radikales Verdecken. Welche Ausgangspunkte haben deine Designs? Ich feiere den weiblichen Körper. Warum sollte man ihn auch in Oversize Jacken verhüllen? Tatsächlich entspringen die Konzepte meiner Mode der Orthopädie. In meinen großen Leder-Pieces fühlt man sich sehr aufrecht, der Körper wird vom Korsett gestützt. Mode soll uns stärken, uns besser fühlen und aufrecht durch die Welt gehen lassen. Meine Mode darf den Damen daher durchaus Rückgrat geben.

…in einer sehr ästhetischen Weise jedoch. Nun, die Mode ist das Medium, in welchem ich meine Kreativität am besten ausdrücken kann. Aber es war mir immer wichtig, meine Inspirationen stets aus anderen Bereichen zu holen. Erst dann ist man in seiner eigenen Interpretation doch frei und schafft etwas Neues.

Hast du jedes Stück aus deinen Kollektionen schon einmal selbst getragen? Leider passen mir nicht alle. Nachts, wenn alle weg sind, lege ich aber schon mal das ein oder andere Teil an und überlege mir, wie man sich darin fühlt. Ein bisschen Mitgefühl für meine Models versuche ich schon zu haben!

[caption id="attachment_34046" align="alignnone" ]interview-fashion-week-berlin-marina-hoermanseder-lofficiel Marina Hoermanseder © PR[/caption]

Nicht viele deutsche Designer gehen so bewusst mit ihrem Logo um wie du. Inwieweit ist auch das Teil des Designprozesses für dich? Eigentlich kommt das Logo erst am Ende als Veredelung auf die einzelnen Teile. Wenn es zu manchen Entwürfen nicht passt, dann versuche ich es auch nicht um jeden Preis hineinzuprügeln. Schlussendlich verstehe ich mein Logo wie meine Unterschrift.

Der Trend geht gerade wieder ganz klar zu selbstbewusstem Branding. Wie viel Geschäftssinn muss in eine junge Marke fließen, damit sie überhaupt erst erfolgreich sein kann? Geschäftssinn und Erfolg gehen für mich Hand in Hand. Zuerst muss man natürlich den Begriff Erfolg definieren. Ich habe für mich selbst beschlossen, dass Ruhm und Kunst nicht die einzigen Faktoren für Erfolg sind. Da ich mit diesen Attributen einfach keine Gehälter zahlen kann. Natürlich ist es auch immer eine Gratwanderung – in meinen Kollektionen und den Showpieces geht es nicht um Verkauf. Allerdings sind diese für meine Identität wichtig. Nur dadurch kann ich dann auch ein Armband verkaufen.

[caption id="attachment_34045" align="alignnone" ]interview-fashion-week-berlin-marina-hoermanseder-lofficiel Marina Hoermanseder Graduate Fashion Collection © PR[/caption]

Auch Kollaborationen sind in den vergangenen Jahren zu einem unglaublich wichtigen Teil der Modeindustrie – in Berlin und überall – geworden... Klar. Einerseits vergrößern sie ganz erheblich meine Reichweite, andererseits entwickle ich mich dadurch auch weiter. Durch Kooperationen kann ich auch oftmals Produkte kreieren, für die ich sonst die Ressourcen nicht gehabt hätte. In dieser Saison arbeite ich mit Wolford zusammen. Unsere Models werden in Strumpfhosen mit eingewebten Schnallen, Kleidern und Bodies über den Laufsteg laufen. Außerdem habe ich auch mit der Kosmetikmarke Catrice für eine Kollektion kooperiert.

Wie viel Business findet in Berlin denn deiner Meinung nach überhaupt statt? Wenn man genau hinschaut doch mehr als man denkt. Noch befinden wir uns in der großen Start-Up Bubble, es wird überall Business gemacht und investiert. Wieviele davon nachhaltig sind und bestehen werden, werden wir sehen.

[caption id="attachment_34047" align="alignnone" ]interview-fashion-week-berlin-marina-hoermanseder-lofficiel Marina Hoermanseder Spring Summer 17 ©PR[/caption]

Stimmt es, dass es eine arte Dokumentation über dich als Kind gibt? Da sollte ich mal meine Eltern fragen, weil bisher ist war mir das noch nicht bewusst.

Danke für das Interview.