Focus On: Sofie D’Hoore

14.03.2017

[caption id="attachment_39638" align="alignnone" ]belgien-mode-sofie-dhoore-Lofficiel © SOFIE D'HOORE | Spring/ Summer 2017[/caption] Klare Farben treffen auf eindrucksvolle Volants – die strukturierten Kleider von Sofie D'Hoore haben schon längst über die belgische Nordseeküste hinaus eine modische Fangemeinde um sich versammelt Vielleicht ist dieser Ort erst einmal einer, bei dem es darum geht, wo man nicht ist. Hier ist nicht Antwerpen, genau genommen kann man an der belgischen Küste nicht weiter weg sein von Antwerpen als hier, in Koksijde. Und Antwerpen steht bis heute für das große belgische Modewunder, die Antwerp Six, die in den Jahren 1980 und 81 ihren Abschluss an der Academy machten – vier Jahre, bevor Sofie D’Hoore 1985 anfing, dort zu studieren. Man kann das als Metapher sehen: Sie ist dabei, natürlich, sie versteht das Geschäft, die Mode, das alles – aber sie bewegt sich lieber ein ganz kleines bisschen neben der ganz großen Spur. Das ist sie. Und das ist Koksijde, der Ort, wo sie lebt, den sie liebt, den sie uns zeigt. Klein, unprätentiös; belgische Nordseeküste, wo frischer Wind keine Metapher ist. Es ist ein Urlaubsort, nicht spektakulär, auf den ersten Blick. [caption id="attachment_33343" align="alignnone" ]belgien-mode-sofie-dhoore-Lofficiellofficiel Sofie D’Hoore © Debora Mittelstaedt[/caption] Auf den zweiten auch nicht, anders als die präzise strukturierten Kleider von Sofie D’Hoore, mit denen sie eine treue Fangemeinde rund um die Welt aufgebaut hat. „Ich will Frauen anziehen und nicht verkleiden“ ist ihr Motto. Und das tut sie, seitdem sie 1992 ihre erste Kollektion auf den Markt brachte, entdeckt in Italien, wo sie nach dem Studium für die belgische Firma Private Collection als Head of Production gearbeitet hatte. Ihr Stil fiel auf. Sie fand Unterstützer. Nach drei Jahren ging sie zurück nach Belgien, nach Brüssel, und gründete mit ihrer Businesspartnerin Chantal Spaas die Firma Fashion Ink, die noch heute hinter der Marke Sofie D’Hoore steht. Jetzt wusste sie, was sie wollte – und machte nie mehr Kompromisse: „Ich sehe mir am Anfang jeder Kollektion die neuesten Stoffe und Fasern an. Ich sehe 10.000 Stoffe, und am Ende bleiben fünf übrig. Ich arbeite nur mit 100 Prozent Naturmaterialien, und das heißt 100 Prozent Seide, 100 Prozent Kaschmir, 100 Prozent Wolle. In dem Moment, wo eine Kundin eins meiner Stücke anzieht, versteht sie es sofort." Nicht einmal hier, am subjektiv schönsten Teil der belgischen Küste, ist Koksijde the place to be, nebenan, in De Panne, wurde an dem riesigen, flachen Strand das Strandsegeln erfunden. Im Koksijder Ortsteil Sint-Idesbald, wo D’Hoore ihr Apartment hat, spaziert man hingegen gemächlich zwischen den Dünen im Nationalpark, sucht bei dem Fischhändler nach den schönsten Muscheln, nimmt ein Bier zu den besten Pommes frites, die je an einer Strandbude verkauft wurden. Ein feines Leben. Langsam. Sofie D’Hoore wurde 1962 geboren, der Vater war Arzt, ihre ganze Umgebung intellektuell, künstlerisch interessiert. Schon als junges Mädchen liebt sie Mode, aber den Gedanken, daraus einen Beruf zu machen, hat sie nicht. Vielleicht lässt sie ihn nicht zu. [caption id="attachment_39637" align="alignnone" ]belgien-mode-sofie-dhoore-Lofficiel © SOFIE D'HOORE | Spring/ Summer 2016[/caption] [caption id="attachment_39634" align="alignnone" ]belgien-mode-sofie-dhoore-Lofficiel © SOFIE D'HOORE | Spring/ Summer 2017[/caption] Sie studiert stattdessen Zahnmedizin an der Universität Leuven, rasend schnell. Mit 21 ist sie schon fertig – und weiß, dass sie diesen Beruf nicht will. Sie will Mode machen, studiert in Gent auf Textilingenieurin und später dann an der Antwerp Academy Modedesign. Sie hat ihre Bestimmung gefunden. Oder eingesehen. In der Hochsaison ist es auch in Koksijde voll. Die Touristen sehen den Fischern zu, die mit Pferden ihre Krabbennetze durch das flache Wasser ziehen oder Muscheln ernten. Badegeschrei mischt sich mit den Rufen der Möwen. Aber die meiste Zeit des Jahres ist der Ort still. Nicht zurückhaltend, es ist eine selbstgenügsame Ruhe. Zufrieden mit sich. Einverstanden.„Meine Kundinnen", sagt D’Hoore,„sind in der Regel unabhängige Frauen, intellektuelle Frauen, die kein bisschen markentreu sind." Sie ist stolz darauf: „Ich nehme das als ein großes Kompliment, denn wenn sie wiederkommen, dann heißt das, sie kommen wegen der Qualität." D’Hoore will Kleider machen, die Frauen jahrelang tragen, nicht nur eine Saison: „Kundinnen erzählen mir, dass sie Stücke auch nach zehn Jahren noch aus dem Schrank nehmen und anziehen. Und sie sind immer noch modern. Ich liebe das." [caption id="attachment_39635" align="alignnone" ]belgien-mode-sofie-dhoore-Lofficiel © SOFIE D'HOORE | Spring/ Summer 2016[/caption] [caption id="attachment_39636" align="alignnone" ]belgien-mode-sofie-dhoore-Lofficiel © SOFIE D'HOORE | Spring/ Summer 2017[/caption] Natürlich hat sie Fans, und ihre Stücke hängen in ausgewählten Boutiquen in Amsterdam wie in San Francisco. Aber es ist dieser besondere Ehrgeiz, der Sofie D’Hoore ausmacht: mit jedem Stück einzeln überzeugen zu wollen, anstatt eine strahlende Marke zu bilden, die über allem schwebt. Am Abend lehnen die Surfer ihre Bretter an die Wand des Jachtklubs von Koksijde, dessen Name bombastischer klingt, als es die flachen, mit Holz verkleideten Baracken hergeben. In den Korbstühlen auf der Terrasse sitzen Segler, trinken Stella Artois und blicken über den Wald der Masten in dem kleinen Sporthafen zum Horizont. Da draußen ist die Welt. Und wie es jeden, der ein Boot hat, hinauszieht auf den Ozean, zieht es jeden Designer auf die internationale Bühne. Aber es ist gut, wenn man eine Basis hat. Ganz real. Schön. Fein. Ein Zuhause. [gallery caption="© SOFIE D’HOORE Spring/Summer 2017" ids="39737,39738,39739,39740,39741,39742,39743,39744,39745,39746"] Dieser Artikel ist in der Oktober 2016-Ausgabe von L’Officiel erschienen