Interview: Eckhaus Latta

17.11.2016

[caption id="attachment_30313" align="alignnone" ]interview-eckhaus-latta-kooperation-camper-lofficiel © Foto: Alex Antitch[/caption] Mike Eckhaus' und Zoe Lattas Designs scheinen still – und sprechen dennoch Bände. Jetzt haben sie sich für eine Kooperation mit Camper zusammengetan. Wir haben die New Yorker Designer hinter Eckhaus Latta zum Interview gebeten Kunst und Konzept – und Kommerz? Das Designduo Eckhaus Latta stellt sich der Modebranche gerne quer. Wo Marketing regiert, streuen sie Rebellion. Wo Einheitslook herrscht, schaffen sie Abwechslung. Wo Mode gleich bloßes Textil ist, brechen sie mit der Formel, addieren lieber Metaebenen und Blickwinkel, subtrahieren klare Definitionen. Denn so vieles Mike Eckhaus und Zoe Latta auch sein mögen, und als so vieles sie von zahlreichen begeisterten Modemenschen und Kunstkids gerne bezeichnet werden, eins fehlt ihnen. Bewusst. Konformität. Weder die Inspiration, noch die geschlechtliche Ausrichtung ihrer Entwürfe werden festgelegt. Oder überhaupt das, was sie da machen, und mit dem sie die New Yorker Modewoche seit einigen Saisons aus Downtown aufrütteln. Und das in einer Zeit, in der wir ohne Hashtags und Kategorisierungen immer öfter unterzugehen drohen. Schließlich kann etwas doch nicht gleichzeitig #fashion und #arty und #anti und #ootd sein, oder? Mikes und Zoes modische Antwort ist, natürlich, nicht greifbar, nicht auf den Punkt formuliert, vielmehr zieht sie sich durch die Kollektionen des Labels, durch die Videos, die in Zusammenarbeit mit Künstlern entstehen, durch die Auswahl ihrer Freunde als Models und die Auswahl ihrer Freunde über Models. Sie kommunizieren ein Bauchgefühl, Intuition, bewusste Naivität – Attribute, die die Modebranche schon lange nicht mehr so genau zu kennen scheint. Mike Eckhaus und Zoe Latta stellt sie ihnen wieder vor – und uns einen Designansatz, der einige Variablen ja gar nicht definieren will. Wir haben das Designduo anlässlich ihrer Schuh-Kooperation mit dem spanischen Schuh-Experten Camper, die mal wieder das Neue aus dem Bekannten filterte, zum Interview gebeten. Über Material, in unterschiedlichster Form, und was man daraus macht. [caption id="attachment_30318" align="alignnone" ]interview-eckhaus-latta-kooperation-camper-lofficiel Camper Together With Eckhaus Latta Herbst/Winter 2016 © Camper[/caption] Eure Kollektionen habt ihr mal mit einem Tagebuch verglichen. Wie kann man sich diese Seiten dann vorstellen? Sehr durcheinander und chaotisch – und abstrakt, vielleicht gar nicht als bloße Seiten. Sie gleichen zwar einem Tagebuch, aber wohl eher im übertragenen Sinne. Die Wochen, bevor wir eine Kollektion fertigstellen, sind immer sehr hektisch, die Tage verschwimmen zu einer großen Blase. Unsere Kollektionen spiegeln dann die Gefühle, die wir während einer so intensiven Zeit erleben, wieder, fassen alles um uns herum in haptische Produkte. Hilft es bei so einem Stress, dass ihr befreundet seid? Oder steht der Zusammenhalt auch schon mal auf der Kippe? Wir sind schon so lange befreundet, dass wir uns da mittlerweile sehr gut gegenseitig ausbalancieren. Eckhaus Latta ist ja auch aus dieser Freundschaft entstanden, obwohl wir als Personen sehr unterschiedlich sind. Wie wirkt sich das dann auf eure Arbeitsweise aus? Unsere Entwürfe sind sehr stark von dem Dialog zwischen uns beeinflusst. Gleichzeitig gibt es viele Teile, mit denen nur einer von uns während der Realisation wirklich gearbeitet hat, wirklich in Kontakt war. Das heißt aber noch lange nicht, dass die andere Person nicht in das Konzept und die Entwicklung involviert war. [caption id="attachment_30319" align="alignnone" ]interview-eckhaus-latta-kooperation-camper-lofficiel Eckhaus Latta Herbst/Winter 2016 © Eckhaus Latta[/caption] Ist es da von Vorteil, das keiner von euch klassisch Modedesign studiert hat? Es erlaubt uns auf jeden Fall, freier zu arbeiten und das, was wir tun, nicht so oft zu hinterfragen. Manchmal bringt es uns auch in Schwierigkeiten, am Ende des Tages sind die die Anstrengung, die es vielleicht kostet, auf unsere Weise zu arbeiten, aber immer Wert. Wie würdet ihr eure Arbeitsweise beschreiben? Intuitiv. Das ist der Kern unseres ganzen Schaffens. Wählt ihr so auch die ungewöhnlichen Materialien aus, die so charakteristisch für Eckhaus Latta sind? Materialien waren für uns schon immer sehr wichtig, wir machen da aber nichts kalkuliert, eher reagieren wir auf Stoffe und Produkte, die uns fesseln, etwas in uns auslösen. Das ist tatsächlich eine der wenigen Eigenschaften, die wir gemeinsam haben, und die sehr essenziell für unsere Freundschaft und Arbeitsweise ist. [caption id="attachment_30320" align="alignnone" ]interview-eckhaus-latta-kooperation-camper-lofficiel Eckhaus Latta Herbst/Winter 2016 © Eckhaus Latta[/caption] Für eure Kooperation mit Camper habt ihr die Oberfläche von Strick auf einen Schuh übertragen. Wie hat der Strick euer Interesse geweckt? Stricken hat eine große Tradition, wird von Generation zu Generation weitergegeben, gleichzeitig ist es aber auch eine Tätigkeit, die wir selber heute noch ausüben. Einen Schuh mit Strick-Optik zu kreieren war etwas, das uns schon seit Jahren gereizt hat. Auch in früheren Kollektionen und sogar in unserem persönlichen Stil haben wir in diese Richtung viel experimentiert. Diese Vorstellungen dann dank Camper realisieren zu können, war sehr aufregend, weil wir plötzlich Möglichkeiten der Produktion hatten, die uns sonst nicht zur Verfügung stehen. Das hat uns außerhalb unserer Komfortzone getrieben. Eckhaus Latta scheint von Kooperationen geprägt. Ihr arbeitet miteinander, mit anderen Künstlern der verschiedensten Felder und jetzt mit einer anderen Modemarke, Camper. Wir waren schon immer an dem Austausch mit anderen Kreativen interessiert, das zieht sich durch unseren gesamten Arbeitsprozess. Die Kooperation mit Camper war also eine natürlich Erweiterung dessen, was wir generell schon tun. Die Marke hat eine tolle Geschichte, die den Werten von Eckhaus Latta sehr ähnelt. So war zum Beispiel Campers erster Schuh ein Unisex Modell, zu damaliger Zeit eine Innovation. [caption id="attachment_30317" align="alignnone" ]interview-eckhaus-latta-kooperation-camper-lofficiel Camper Together With Eckhaus Latta Herbst/Winter 2016 © Camper[/caption] Auch ihr macht gerne, was von der Masse als ungewöhnlich deklariert wird, arbeitet zum Beispiel oft mit euren Freunden als Models. Wir tun uns gerne mit Menschen zusammen, die schon durch ihr bloßes Sein unsere Marke zum Leben erwecken. Das schließt normale Models natürlich nicht aus, trotzdem macht es uns fast mehr Spaß, mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten zu arbeiten. Für das Kampagnenvideo unserer Kooperation mit Camper haben wir zum Beispiel unsere Freundin das Transgender-Model Hari Nef ausgewählt. So wollen wir die herkömmlichen Vorstellungen von Schönheit hinterfragen, aber auch unsere Vorstellung von Schönheit teilen. Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen – Kleidung, Materialien, Models – ist also so etwas wie ein roter Faden? Das ist einfach, wie wir die Welt sehen. Wir sind nicht an klassischen Marketing-Strukturen interessiert. Dabei folgen wir keinem großen Plan, sondern machen einfach das, was in unseren Augen richtig und wichtig ist. Vielen Dank für das Interview.