Schöne alte Welt

16.11.2016

[caption id="attachment_30165" align="alignnone" ]netflix-serie-the-crown-lofficiel © Netflix[/caption] Das jüngste Netflix-Drama The Crown verlässt sich nicht nur auf eine spannende Geschichte, sondern auch auf seine opulenten Kostüme. Die garantieren noch keine gute Serie – aber viel Aufmerksamkeit Für Serienjunkies liefert jede neue Produktion aus den TV-Laboren von HBO, BBC, Netflix & Co. neuen Stoff, den sie grundsätzlich offen gerne ausprobieren. Trotzdem haben es Neuzugänge im hart umkämpften TV-Serien-Markt nicht leicht aus der Konkurrenz herauszustechen. Was die Chancen für einen medialen Durchbruch zumindest am Anfang erhöht: Eine opulente Ausstattung und aufwendig gemachte, historische Kostüme. Das beste aktuelle Beispiel, nämlich die Serie The Crown, sorgt gerade dafür, dass ihr Erfinder Netflix sich über viele Veröffentlichungen in Modemedien von der britischen Vogue bis zum Blog fashionista.com freuen kann. Die 100 Millionen Pfund-schwere Produktion erzählt die Geschichte über den Aufstieg der jungen Königin Elizabeth II, die 1953 im Alter von 25 Jahren ihrem Vater King George VI auf den Thron folgte. [caption id="attachment_30164" align="alignnone" ]netflix-serie-the-crown-lofficiel © Netflix[/caption] Diese Erzählung von der persönlichen Entwicklung einer jungen Frau und die emotionalen Tief- und Höhepunkte einer Königsfamilie, die untrennbar mit dem Schicksal Großbritanniens verbunden sind, bringt schon von allein viel „Glamour-Potenzial“ mit. Wirklich zum Leben erwacht dieses erst durch die richtige Ausstattung und in der Hinsicht hat Netflix keine Kosten gescheut. Für die Garderobe zeichnet die Kostümbildnerin Michele Clapton verantwortlich, die für ihre Arbeit an Game of Thrones bereits drei Mal mit dem Emmy ausgezeichnet wurde. Zwischenzeitlich arbeiteten fast 100 Personen an den mit Orden behängten Uniformen, an den von Diors „New Look“ inspirierten Cocktailroben und am Brautkleid von Queen Elizabeth, welches als exakte Replik des Originals in sieben Wochen angefertigt wurde. [caption id="attachment_30160" align="alignnone" ]netflix-serie-the-crown-lofficiel © Netflix[/caption] In London stellte Netflix die Kostüme der Hauptprotagonistinnen, Königin Elizabeth und ihre Schwester Prinzessin Margaret, im Rahmen einer „Salon-Vorführung“ vor, in der britischen Vogue erschien bereits im August eine Modestrecke mit der Besetzung der Serie. Die Modebranche mag vom Streben nach Modernität und Neuerfindung leben, doch sie lässt sich immer wieder gerne von einer schillernden Vergangenheit verzaubern, in der Frauen stets Handschuhe und Hut zum Kostüm trugen und Männer in Seidenpyjamas ins Bett gingen. [caption id="attachment_30163" align="alignnone" ]netflix-serie-the-crown-lofficiel © Netflix[/caption] All diese Raffinessen haben mit den Stil-Gewohnheiten der Gegenwart wenig bis nichts mehr zu tun. Werden sie jedoch geschickt in Szene gesetzt, beeinflussen sie diese durchaus. So gehörte Mad Men nicht nur zu den Fernsehserien, die die Wiedergeburt des Genres einleiteten. Sie machte den gepflegten Anzugträger à la Don Draper mit der Zigarette in der einen Hand und dem Whisky-Glas in der anderen zur Stilikone einer jungen Männergeneration, sie inspirierte Marken von Prada bis Max Mara zu körperbetonten Shiftkleidern, Mänteln mit A-Linie und taillenhohen Pencil-Skirts. Mode macht Erfolg, auch im Fernsehen. In den Kommunikationsstrategien des Serien- und Filmmarketings können die Kleider einer Star-Besetzung heute eine ebenso große Rolle spielen wie die Schauspieler selbst. Sie bringen noch unbekannte Darstellerinnen auf die Cover der Hochglanzmagazine, sie motivieren Modemarken zu thematisch passenden Capsule Collections. [caption id="attachment_30162" align="alignnone" ]netflix-serie-the-crown-lofficiel © Netflix[/caption] Filme wie Marie Antoinette von Sofia Coppola oder The Great Gatsby von Baz Luhrmann lockten die Menschen auch deswegen in die Kinos, weil sie ein Spektakel aus pastellfarbenen Krinolinen, glitzernden Fransenkleidern und Diamantencolliers versprachen, dem man sich als modeinteressierter Zuschauer gerne hingibt. Selbst wenn die Dialoge flach sind und die Handlung träge: Es macht Spaß, reichen Menschen dabei zuzuschauen, wie sie ihren Reichtum feiern, so verdorben ihre Charaktere und so traurig ihre Seelen auch sein mögen. Und es lenkt ab, sich in eine Zeit zu flüchten, in der Manieren noch zählten, Menschen sich an Dresscodes hielten und Rollen klar verteilt waren. Der Reiz der Mode liegt auch in dem Eskapismus, den sie ermöglicht. Und das Schwelgen in einer opulenten Vergangenheit gefällt umso mehr, weil man die Konflikte, Einschränkungen und Dramen jener Zeit nicht mitmachen muss. So aussehen wie Elizabeth oder Lady Mary aus dem anderen britischen Kostüm-Liebling, Downton Abbey? Gerne. So leben? Lieber nicht. [caption id="attachment_30161" align="alignnone" ]netflix-serie-the-crown-lofficiel © Netflix[/caption]