Ein neuer Blick

05.12.2016

[caption id="attachment_30178" align="alignnone" ]niijournal-magazine-interview-campbell-addy-lofficiel © Niijournal[/caption] Das Magazin Niijournal setzt sich mit Diversität in der Modewelt auseinander – es stellt Fragen als Fotografie, gibt Antworten als Ästhetik Was das Jetzt betrifft, scheint sich die Modewelt mit verschiedenen Körperformen, Schönheitsidealen und ethnischen Hintergründen schwer zu tun. Vetements wurde schon oft für seine komplett weißen Models kritisiert, die ganze Branche für ihre Glorifizierung von Stereotypen angeprangert. Für den Briten Campbell Addy ist das ein Problem – aber eins, das man ändern kann. Und das besonders er ändern will, durch die Kooperation mit Freunden und Fremden, die sich in ähnlichen Positionen befinden, und sein eigenes Magazin Niijournal. [caption id="attachment_30193" align="alignnone" ]niijournal-magazine-interview-campbell-addy-lofficiel © Niijournal[/caption] „Im Gegensatz zum Mainstream ist diese Diskussion bei den Kreativen meiner Generation sehr präsent. Da spielen zum Beispiel die Sozialen Medien eine große Rolle. Wir müssen uns nicht mehr hinter irgendwelchen Bezeichnungen verstecken, sondern können selber zeigen und definieren, wer wir sind und was wir schön finden. Ich setze mich seit dem Gymnasium mit meiner Identität auseinander, meine Arbeit spiegelt mich selbst wieder – die Konflikte, Liebe und Interessen eines dunkelhäutigen, jungen Briten in der heutigen Gesellschaft.“ Campbell Addy will nicht einfach das Bild duplizieren, das von der breiten Masse seit Jahren nachgezeichnet wird. Er malt lieber über den Rand hinaus, in seinen eigenen Farben. Verbindet Problematik mit Ästhetik und hält seine Sichtweise in Niijournal durch Essays und Fotografien fest. „Ein Foto ist ein sehr einfaches Mittel, um die eigenen Vorstellungen anderen Menschen zu präsentieren“, erklärt er sein favorisiertes Medium, „Man kann bestimmte Meinungen hinterfragen, die zum Beispiel durch frühere Generationen auf die Menschen übertragen wurden. Ich will mit dem Bild des starken, dunkelhäutigen Mannes brechen, ihn auch schmal, fast schon zerbrechlich darstellen. So ein Model dann wiederum in einer sehr imposanten Pose zu fotografieren, fordert die sozialen Normen direkt heraus.“ [caption id="attachment_30194" align="alignnone" ]niijournal-magazine-interview-campbell-addy-lofficiel © Niijournal[/caption] [caption id="attachment_30199" align="alignnone" ]niijournal-magazine-interview-campbell-addy-lofficiel © Niijournal[/caption] Niijournal ist für den Briten ein sehr persönliches Projekt, auch, weil er ein großes Stück von sich selbst zwischen die Seiten des Magazins gepresst hat. „Das Wort Nii ist meinem zweiten Vornamen entsprungen, der auf meinen Vater und dessen Verbindung zu Ghana zurück geht. Es bedeutet König. Und genau so, wie ein König ein Symbol für Macht ist, ist die Verwendung meines zweiten Namens für mich ein Symbol der Liebe zu mir selbst. Ich wurde früher oft gehänselt, weil der Name so „schwierig" ist. Dass ich ihn heute so selbstbewusst verwende, macht mich stolz.“ „Educate not irritate“. Das ist, was sich der Brite Campbell Addy mit seinem Magazin Niijournal vorgenommen hat. Weiterbilden, Ausbilden, überhaupt etwas bilden, einen Nährboden schaffen, für Fragen, die nicht gehört zu werden scheinen. Weil sie oft gar nicht erst gestellt werden. Campbell studierte am Central Saint Martins in London, wuchs in Großbritannien auf, seine Wurzeln sind in Ghana. Seine Identität liegt irgendwo zwischen Europa und Afrika, den Kulturen, gesellschaftlichen Normen und Ansprüchen. Doch wie findet man sich selber, wenn das Bewusstsein der breiten Pop-Kultur nicht einmal nach einem zu suchen scheint? [caption id="attachment_30196" align="alignnone" ]niijournal-magazine-interview-campbell-addy-lofficiel © Niijournal[/caption] [caption id="attachment_30197" align="alignnone" ]niijournal-magazine-interview-campbell-addy-lofficiel © Niijournal[/caption] „In London fühlte ich mich fremd. Ich dachte immer, das sei so, weil ich als dunkelhäutige Person in der westlichen Welt lebe. Als ich dann meine Familie in Ghana besuchte, merkte ich: Dort fühle ich mich noch fremder. Mir ist schon als Kind aufgefallen, dass es in Magazinen kaum dunkelhäutige Models gibt, niemanden also, mit dem ich mich identifizieren kann“, beschreibt Campbell das Gefühl, das ihn zur Gründung seines eigenen Magazins bewegte. „Das ist zwar meine Geschichte, aber sie geht mit der Geschichte so vieler anderer einher. Je mehr Leute das verstehen, desto besser.“