UdK Schau 16: Ones to Watch

18.10.2016

[caption id="attachment_28704" align="alignnone" ]header_udk_gesine_lofficiel GESINE FÖRSTERLING I Models: Martin Tran @ m4 models I Haare und Make-Up: Patricia Heck © Marlen Mueller[/caption]

Diesen Freitag präsentiert die Universität der Künste Berlin ihre diesjährigen Abschlusskollektionen. Ein Blick in eine hochkarätige Zukunft

Modehochschulen müssen sich ihren Ruf in Deutschland hart erarbeiten. Seit Jahren zeigen die Absolventen der bekanntesten Hochschulen wie UdK Berlin, Weißensee, „Armgartstraße“ & Co, ihre Kollektionen in eigens initiierten Präsentationen und dennoch widmen sich die deutschen Modegemüter stets dem Altbekannten statt Neuen. Während die Absolventenschauen in anderen Städten mitunter zu den spannendsten einer Modewoche zählen – Stichwort Isabella Blow kauft McQueens gesamte Abschlusskollektion –  feiert man in Berlin am Ende dann doch ein wenig lieber mit Guido und Wolfgang.

Dabei zeigt gerade die Universität der Künste Berlin in den letzten Jahren immer stärkere Kollektionen, viel Talent und weckt das Interesse der internationalen Presse und Einkäufer. Allen voran zeigt sich das Novembre Magazin als Schirmherrin der diesjährigen Schau 16, die zum ersten Mal abseits der Berliner Modewoche, am kommenden Freitag, stattfinden wird. Mit fünf der vielversprechendsten Talente haben wir uns bereits vorab zusammengesetzt, über ihre Ideen, Visionen und Träume geredet. Die Kollektionen reichen von Live-Performance über aufwendigen Strick bis zu digitaler Design-Codierung. Und so wunderbar unterschiedlich die Kollektionen auch sind, tragen sie am Ende doch alle dieselbe, so vielversprechende Subline: The future is now.

[caption id="attachment_28520" align="alignnone" ]02_udk_lenny_murr_lofficiel LENNY MURR "Fisch Kitti Bisch ~ La crevette pour les hommes" I Styling: Lenny Murr I Grooming: Helena Narra I Model: Lucas Ernst @ PMA © Frauke Fischer[/caption] L E N N Y   M U R R Kannst du uns über den Entstehungsprozess deiner Kollektion erzählen? Zu Beginn der Arbeit stand die Faszination für die Werke der dadaistischen Künstlerin Hannah Höch, die das Wechselspiel zwischen Mensch und Maschine mit dem Medium der Fotocollage in Szene setzt. Auf der Suche nach einem zeitgemäßen Pendant stieß ich auf „Random Generators“. Webseiten, die je nach Codierung zufällige Informationen auswerfen. Das führte mich zu meiner Kollektion, bei der ich erst ab einem gewissen Punkt selektierte und letztendlich als Gestalter aktiv war. Welche Rolle spielt das Digitale in der Mode? Ich denke eine bedeutende. Durch das Digitale ist dem Konsumenten ein direkter Zugang zur Mode gegeben. Partizipation an einer Schau durch Livestreams eröffnet neue Perspektiven und bedingt Wertverschiebungen. Ein populärer Blog und „medial bestätigtes Stilbewusstsein“ reichen heutzutage aus, um während der Pariser Modewoche in der ersten Reihe sitzen zu können. Wo steht Berlin in der Mode? Schwierige Frage. Berlin strotzt vor junger Kraft und Kreativität, das Potential kann sich meiner Meinung nach außerhalb des universitären Rahmens aber nicht wirklich entfalten. Berlin ist ein guter Standpunkt um sich gestalterisch zu sammeln, präsentiert werden sollte jedoch eher im Ausland, um ein gewisses Verständnis zu erlangen. Wirst du weiter in Berlin arbeiten und leben? Nein. Ich habe gerade vor drei Tagen mein Masterstudium am Royal College of Art – fashiondesign menswear – in London begonnen und denke, dass ich auch danach vorerst nicht nach Berlin zurückkehren werde. [caption id="attachment_28700" align="alignnone" ]5_udk_gesine_lofficiel GESINE FÖRSTERLING I Models: Julian Ribler, Martin Tran @ m4 models I Haare und Make-Up: Patricia Heck © Marlen Mueller[/caption]

G E S I N E   F Ö R S T E R L I N G

Du beschäftigst dich als Designerin mit der Definition von Maskulinität. Wie kam es dazu? Ich habe mich mit verschiedenen Aspekten innerhalb meines Arbeitstitels „Work” beschäftigt. Es kristallisierten sich schnell Schwerpunkte heraus, die sich mit der Frage von Männlichkeit und ihren verschiedenen Bildern innerhalb des Themenfeldes Arbeit auseinandersetzen. Mit welchen Materialien arbeitest du vorwiegend in deiner Kollektion? Ich habe mich vorwiegend Materialien aus dem klassischen Arbeitskontext benutzt. Jeans und Baumwollköper, der klassische „Blaumann-Stoff“, aber auch Anzugstoffe. Diese eher männlich konnotierten Materialien wurden durch die Bearbeitung aufgebrochen und neu interpretiert. Wie wichtig ist “Improvisation” in deiner Arbeitsweise? Es war mir wichtig aus dem „improvisierten Moment“ heraus die verschiedenen Handwerkstechniken anzuwenden. Das Weben war dabei der Ausgangspunkt und wird zum sich wiederholenden Motiv in der Kollektion. Es bildet den handwerklichen, intuitiven und improvisierten Moment. Wo steht Berlin in der Mode? Sicherlich ist Berlin deutschlandweit die interessanteste Stadt für Mode, was das kreative Potenzial angeht. Es gibt hier so viele verschiedene Lebensstile, das spiegelt sich natürlich auch in der Mode wider. Mode braucht meiner Meinung nach Persönlichkeiten, die originell und unabhängig denken. Vielleicht ist es letztendlich das, was Berlin ausmacht.

M U Y A O 

Deine Entwürfe entstehen live auf der Bühne und als Performance. Wie lange benötigst du für eine Kollektion und wieviele Teile enthält diese? Mein Projekt ist ein Prozess, sozusagen ein „stream of consciousness“. Während einer Live-Performance realisiere ich vier Outfits. Dazu kommt eine kleine Kollektion und ein Buch als Objekt.

Warum hast du dich für die Farbe Schwarz entschieden? Schwarz ist für mich nicht nur eine Farbe, sondern ein Moment im Dunkeln, während dem man visuell nichts wahrnehmen kann.

Bleibst du deinem Ansatz der Performance in Zukunft treu? Ich kann diese Entscheidung erst treffen, wenn die Zukunft zur Gegenwart wird.

Wo steht Berlin in der Mode? In der Fuge.

Welche Rolle nimmt Musik in deinen Konzeptionen und Kollektionen ein? Eine Inspirationsquelle neben dem Moodboard.

Wirst du weiter in Berlin arbeiten und leben? Ich fange gerade an mit Mads Dinesen an unserem Kollaborationslabel zu arbeiten. Für die nächste Kollektion bleibt das Label also definitiv noch in Berlin.

[caption id="attachment_28524" align="alignnone" ]© Friederieke FRIEDERIKE STANITZEK "furor floralis" I Foto: Julia Grossi Haare & Make-Up: Dennis Brandt I Model: Carlotta Runze @ tigers Management © Friederike Stanitzek[/caption]

F R I E D E R I K E   S T A N I T Z E K

Ist deine Kollektion romantisch? Meine Kollektion entstand als Reaktion auf den damals überraschenden Abschied Raf Simons von Dior. Inspiriert von der Hochstilisierung des perfekten Show-Moments und der Prachtentfaltung einer Dior-Schau, stellt sie einen Blühzyklus dar. Meine Kollektion ist möglicherweise romantisch in dem Sinne, als dass ich sehnsuchtsvoll versuche, diesen Moment festzuhalten.

Welche Blumen hast du verwendet? Zur Formfindung der einzelnen Kleider habe ich Lilien in unterschiedlichen Blühstadien auf die Schneiderpuppe projiziert. Um eine florale Prachtentfaltung innerhalb meiner Kollektion darzustellen, sind die Kleider von handgemachten Blütenstempeln „überwuchert“.

In deiner Abschlusskollektion stellst du die mutige, allgegenwärtige und oftmals strittige Frage, ob Mode Kunst sein kann. Was ist deine Antwort darauf? Ich glaube, dass Mode tatsächlich Kunst am Körper sein kann und es durchaus Kleidungsstücke gibt, die die Berechtigung haben, wie Kunstobjekte gelesen zu werden. Wenn die inhaltliche Aussagekraft wichtiger wird als die Tragbarkeit des Kleidungsstückes, verschwimmen die Grenzen zwischen Mode und Kunst. Diese Grenzen weiterhin auszuloten finde ich sehr spannend.

[caption id="attachment_28528" align="alignnone" ]04_udk_hagar_lofficiel HAGAR SOPHIA RIEGER "Shaking the habitual" © Hagar Sophia Rieger[/caption]

H A G A R   S O P H I A   R I E G E R

Du widmest dich in der Kollektion deinen äthiopischen Wurzeln. In wie weit wurde dein Bewusstsein von deiner Herkunft und deiner Kultur geprägt? Das Thema meiner Kollektion behandelt meine persönlichen Erinnerungen an meine Kindheit sowie meine letzte Äthiopienreise. Dort bin ich als Kind barfuß über Steine und Stoppelfelder gelaufen, in Deutschland dagegen hatte ich dann für jeden Anlass die passende Kleidung, den perfekten Turnschuh, die komplette Skiausrüstung. Gerade wegen des ganzen Komforts vergingen bei mir einige Jahre, bis ich mich an die moderne, westliche Kultur gewöhnt hatte.

Was bedeutet Komfort in unserer und in anderen Kulturen heutzutage? In unserer Kultur wird der Begriff Komfort überwiegend für praktische und funktionale Attribute eines Produktes benutzt. Ich möchte „Komfort“ im interkulturellen Kontext darstellen und unsere Gewohnheiten und festgefahrenen Definition hinterfragen und neu definieren.

Wirst du weiter in Berlin arbeiten und leben? In diesem Punkt will ich mich nicht dauerhaft festlegen, sondern möchte in alle Richtungen offen sein. Außerdem glaube ich auch nicht, dass man nur in Berlin kreativ sein und etwas erreichen kann – auch wenn so viele meiner Branche hier her kommen, um ihr Glück zu finden.

Schau 16: "Beauty by Novembre" am Freitag, den 21. Oktober 2016 ESTREL BERLIN, Einlass: 19.00 Uhr, Show: 20.00 Uhr Tickets gibt es hier