NYFW Recap: Work in progress

16.09.2016

[caption id="attachment_25378" align="alignnone" ]Eckhaus Latta SS 17 © Marcio Madeira Eckhaus Latta SS 17 © Marcio Madeira[/caption] Die Modemetropole hat sich besonnen und zeigt weniger Kommerz und mehr Experimente denn je. Die Highlights der New York Fashion Week  Was New York im Frühjahr vorgehalten wurde, versuchte es jetzt wieder gut zu machen. Zu viel Kommerz hieß es damals lauthals aus allen Ecken, Individualität und eine Ästhetik die aneckt, suchte man vergeblich. Gestern gingen nun die aktuellen Frühjahr/Sommer 2017 Schauen zu Ende. Was bleibt? Eine sonst so geradlinige Victoria Beckham verlor da plötzlich ihre harte Silhouette, Joseph Altuzarra brach kompromisslos alle Regeln der Farblehre. Auch Thom Browne und Rodarte liefen zu ihrer Höchstform auf. Luft nach oben gibt es zwar immer noch, allerdings hat auch die kommerziellste aller Modemetropolen eine Sache nun endlich gelernt: Risiko eingehen ist nicht so gewagt wie es klingt, und zahlt sich ohne Zweifel aus.   [caption id="attachment_25367" align="alignnone" ]01_nyfw_recap_lofficiel Thom Browne SS 17 © Marcio Madeira[/caption] Thom Browne Browne macht uns, im tiefsten Kern des Wortes, glücklich. Setzt uns verspiegelte Sonnenbrillen auf und bindet uns übergroße Blumenprints um das Handgelenk. Existenzielle Kollektionskonzepte waren noch nie von Brownes wirklichem Interesse und so liefert er auch diesmal fröhlich ab: "Pool side" ist inspiriert von Slim Aarons Palm Beach-Fotografien der fünfziger Jahre und umgesetzt durch ein unendliches Meer aus Extravaganz in Schnitt, Struktur und Stoff.  Will heißen: Browne sprengt einmal mehr unseren Inspirationshorizont und wird – paradoxerweise –  durch ein Übermaß an unerträglicher Schönheit und Glückseligkeit in seinen Entwürfen, am Ende vielleicht doch tiefgründiger als geplant. [caption id="attachment_25370" align="alignnone" ] Victoria Beckham SS 17 © Marcio Madeira[/caption]

Victoria Beckham Ungewöhnlich viel Farbe und außergewöhnlich viel Stoff. Dazu weite Schnitte und Samt. Mit ihrem Bild der selbstbewussten Frau experimentiert Victoria Beckham in der kommenden Saison gehörig, lässt sie in bedrucktem Leder und, für Beckhamsche Verhältnisse überwältigend entspannt, durch den nächsten Sommer schlappen.

  [caption id="attachment_25375" align="alignnone" ]Rodarte SS 17 © Marcio Madeira Rodarte SS 17 © Marcio Madeira[/caption]

Rodarte Laura und Kate Mulleavys Stärke war schon immer die hohe Kunst des detailverliebten Handwerks. Wieder bestimmen aufwendige Blumen-Stickereien, schwarze Spitze, drapierter Tüll und Perlen ihre neueste Kollektion. Und auch wenn ein Großteil der Rodarte-Gefolgschaft vergeblich auf das gewohnt Unerwartete in den Entwürfen wartete, so bleiben sich die Schwestern in einer Sache auch diesmal treu: eine Schönheit, die erst durch ihre Ecken und Kanten funktioniert.

[caption id="attachment_25376" align="alignnone" ]Altuzarra SS 17 © Marcio Madeira Altuzarra SS 17 © Marcio Madeira[/caption]

Altuzarra Gewollt und gekonnt addiert Joseph Altuzarra in jeder Saison ein wenig mehr "bad taste" in sein sonst so abgeschmecktes Rezept an klassischer Schnittkunst. Dieses Risiko zahlt sich auch diesmal perfekt aus. Heraus kommt eine souveräne Kollektion, angetrieben durch ein extremes Colour-Clashing, das zweifelsohne den Streetstyle des nächsten Sommers prägen wird.

  [caption id="attachment_25377" align="alignnone" ]Eckhaus Latta © Marcio Madeira Eckhaus Latta © Marcio Madeira[/caption]

Eckhaus Latta Ihre Unangepasstheit und Individualität macht das Duo auf dem amerikanischen Markt so spannend und unabdinglich. In dieser Saison kollaborieren Mike Eckhaus and Zoe Latta mit dem Künstler Brendan Fowler, verwenden Motive aus seinem "Election Reform" Projekt und zeigen ihre Kollektion direkt um die Ecke ihres Studios. Alles so wunderbar nonchalant, wie wir es von den beiden seit jeher gewohnt sind. Befreundete Künstler dienen als Models. Blood Orange liefert den Soundtrack. Auf ein Neues steht fest: Eckhaus Latta ist mehr Mode als Marke, mehr Konzept als Konsum.