William Fan: Gold ist mein Basic

30.06.2016

[caption id="attachment_19296" align="alignnone" ]william-fan-fashion-week-berlin-mbfwb AW16 Kollektion William Fan © PR[/caption] Ein Gespräch über eine neue Mode-Generation, Arbeitsuniformen und die Geschichte einer langen Disco Nacht William Fans Formsprache ist klar, bestimmt und eigen. Detailverliebtheit und Perfektion nehmen bei ihm dabei fast romantische Züge an. Seit seinem Debüt auf der Fashion Week Berlin 2015, werden seine Kollektionen von Kritikern hoch gelobt. Heute Abend zeigt der deutsche Designer mit asiatischen Wurzeln nun seine dritte Kollektion im Kronprinzenpalais, die er selbst als "die Fortsetzung einer langen Disko-Nacht" betitelt. Fans Lieblingsfarbe ist im Übrigen Gold – vielleicht ist auch das ein Grund, warum er an Berlins monochromem Modehimmel gerade so brilliert.

Hi William, wie geht es dir gerade? Mir geht es gut. Ich bin gespannt wie die Kollektion am Ende tatsächlich aussehen wird. Es ist gerade wie ein Puzzle, was sich so langsam aber sicher zu einem vollständigen Bild zusammensetzt. Du hast an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin studiert. Wo steht Deutschland in der Mode für dich? Verglichen zu Städten wie London oder New York halten sich gute Modeausbildungsstätten hier zu Lande ja bedauerlicherweise in Grenzen … Letztendlich liegt es aber doch immer an einem selbst, wie man sein Studium gestaltet und was du danach daraus machst. Wenn du gut bist, bist du gut. Da hilft dann auch kein St. Martins Stempel. Die Ausbildung ist nur ein Schritt von vielen und ich habe gemerkt, dass es viel mehr darauf ankommt, mit wem man zusammen studiert. Die Gruppendynamik innerhalb einer Klasse ist tatsächlich das prägendste im Studium. Deutschland ist meiner Meinung nach zudem der Vorreiter von sehr vielen Tendenzen und Stilen. Der Minimalismus durch Jil Sander, Schlichtheit und Funktionalität durch Bauhaus, Qualität und Technologie durch diverse Automarken. Hier steht man für eine sehr nachhaltige und klassische Haltung und diese Relevanz ist international spürbar. Es braucht sicherlich ein wenig Zeit, damit sich die neue Mode-Generation aufstellen kann, aber ich glaube ganz fest daran, weil ich das Potenzial sehe.

[caption id="attachment_19307" align="alignnone" ]william-fan-fashion-week-berlin-mbfwb © PR[/caption]

Wie bist du überhaupt zur Mode gekommen? Von klein auf war ich sehr modeaffin. Es ist eines meiner natürlichsten Ausdrucksmittel.

Und wer beeinflusst dich? Ich lasse mich sehr von menschlichen Attitüden begeistern. Meistens sind es Menschen, die eine sehr strenge Meinung pflegen oder durch und durch klare Ansichten zu Dingen und Situationen haben. Extreme Charakter beeindrucken mich.

Würdest du dich selbst auch als einen extremen Charakter beschreiben? Naja, eigentlich schließe ich mich eher ungern Extremen an. Das kann manchmal ein Nachteil, manchmal aber auch ein Vorteil sein. Ich siedle mich am liebsten immer irgendwo in der Mitte an und versuche einen möglichst objektiven Überblick zu behalten. Für manche klingt das vielleicht nichtssagend, ich sehe das eher als Stärke.

Wie wichtig ist es dir, dass sich deine asiatischen Wurzeln in deiner Arbeit widerspiegeln? Das ist für mich weniger eine gezielte Integration kultureller Stilmittel, sondern mehr ein Ausdruck meines Gefühls, mich als kosmopolitschen Menschen zu begreifen. Mir macht es Spaß mit Details aus verschiedenen Kulturen zu spielen und sie neu zu interpretieren. Hongkong ist meine zweite Heimat und durch die vielen Reisen dorthin schleichen sich wohl ganz automatisch charakteristische Farben, Formen und Strukturen in meine Arbeiten.

[caption id="attachment_19305" align="alignnone" ]william-fan-fashion-week-berlin-mbfwb William Fan AW16 © PR[/caption] [caption id="attachment_19306" align="alignnone" ]william-fan-fashion-week-berlin-mbfwb William Fan AW16 © PR[/caption]

Dann gibt es in deinen Kollektionen folglich auch keine klare Richtung, die du für dich klar festlegen möchtest … Nein, da gibt es keine Richtung. Es wird so, wie es sich für die jeweilige Saison richtig anfühlt.

Wie sieht deine persönliche Garderobe aus? Wie deine „Arbeitsuniform“? Meine perfekte Garderobe besteht aus Hemd, Weste, Mantel und Hose und meine Arbeitsuniform aus Hemd, Weste, Mantel und Hose. Die Bluse ist aus weiß-blau gestreifter Baumwoll-Popeline, die Weste aus dunkelblauem Tweet und Mantel sowie Hose aus dunkelblau gestreifter Schurwolle.

Und ein Satz von dir zur Farbe Gold? Gold ist mein Basic.

Kannst du schon etwas zu deiner neuen Kollektion sagen? Nur so viel: Sie erzählt die Geschichte von der langen Disco Nacht der vorherigen Saison weiter.

Danke für das Interview.