Review: Gallery Weekend x Art Lovers Club

03.05.2016

[caption id="attachment_16200" align="alignnone" ]gallery-weekend-x-art-lovers-club-lofficiel Galerie Sexauer. Vor einem Diptychon von Alexander Iskin ©Silke Briel[/caption] Das Berliner Gallery Weekend 2016 ist vorüber – Zeit für einen kleinen Rückblick! Unsere Autorin Charlotte Silbermann berichtet von der Art Lovers Club „Curators Choice“-Tour Wie eine Schatzkarte liegt am Freitagnachmittag der Plan des Gallery Weekend vor mir ausgebreitet. Ich habe strategisch Kreuzchen eingezeichnet, um die Route meiner ambitionierten Fahrradtour durch halb Berlin zu markieren. Das geologische Kuriositätenkabinett von Julian Charrière bei Dittrich und Schlechtriem, mein erstes Highlight, ist einer Schatzkammer dann erstaunlich ähnlich. In abgedunkelten Galerieräumen leuchten von Spots angestrahlte Skulpturen, die an Mineralien aus dem Naturkundemuseum erinnern. Faktisch sind die Steine aber mit Magma übergossene Smartphones, Notebooks und Festplatten. Im Innenhof der Galerie beobachte ich Olafur Eliasson im Gespräch mit Charrière, seinem ehemaligen Studenten. Einem anderen Star der Kunstszene laufe ich in der Galerie Buchmann über den Weg. Chris Dercon, Direktor der Tate Modern London und ab 2017 Nachfolger von Castorf an der Volksbühne, lässt sich gerade vor den ornamentalen Keramikreliefs von Bettina Pousttchi fotografieren, als ich die Ausstellungsräume in der Charlottenstraße betrete. Uralte Kunstschätze gibt es bei Barbara Weiss zu sehen. Michael Rakowski zeigt hier Miniaturen aus buntem Pappmaché, alles Nachbildungen antiker Objekte, die im Irakkrieg geraubt und zerstört wurden. Gleich nebenan in der Galerie Isabella Bortolozzi entführt die gespenstische Installation "land with lost olive trees" in ein morbides Interieur. Oscar Murillo materialisierte hier seine Vorstellungen von zerstörten Landschaften, die ihn während eines Flugs von Tel Aviv nach Baku verfolgten. Am Samstag lege ich die Planung meines Gallery Weekend in fremde Hände. Ich nehme an der Tour „Curators Choice“ vom Art Lovers Club teil und weiß gar nicht, was mich erwartet. Der ALC – Art Lovers Club wurde 2010 von Anja Groeschel gegründet und ist in den letzte Jahren zu einem immer größeren Netzwerk von Frauen, die in der Kunstwelt zu Hause sind, gewachsen. Zum Gallery Weekend werden die Mitglieder von zehn Kuratoren an ausgewählte Orte der Berliner Kunstszene geführt. Das Event startet mit einem Champagner-Empfang in der Fotoausstellung Berlin.Raum.Radar. Ein farbiges Armband, das man beim Einlass bekommt, hat darüber entschieden, mit welchem Kurator oder welcher Kuratorin man für drei Stunden unterwegs sein wird. Ich gehöre zur Gruppe Lavendel. Die Spannung steigt, als sich nach und nach alle Kuratoren vorstellen. Mein Guide ist Philipp Bollmann, Kurator der Sammlung Wemhöner.

Ein bisschen dizzy vom Champagner besteige ich mit ungefähr zwanzig anderen Frauen einen Bus und bin eine halbe Stunde später im Studio von Andreas Mühe. Der Sohn von Ulrich Mühe ist bekannt geworden für seine Fotografien von Angela Merkel. In einem hellblauen Leinenhemd, kurzer Hose und Wollmütze begrüßt uns der Künstler im Hof des Backstein Areals, in dem sein Atelier liegt. Wir zwängen uns alle zusammen in einen Fahrstuhl. Das Zusammengehörigkeitsgefühl steigt. Wie exklusiv unser Besuch ist, wird deutlich, als wir unsere Smartphones auf einem Tisch ablegen müssen, bevor wir in Mühes Arbeitsraum gelassen werden. Er will sicher gehen, dass keine Fotos von seinem aktuellen Projekt gemacht werden. Auch ich versichere Schweigepflicht. Nur so viel: Mühe wird damit sicher wieder „Reibung“ erzeugen, eine Hauptmotivation seines künstlerischen Schaffens, wie er immer wieder betont. [caption id="attachment_16203" align="alignnone" ]gallery-weekend-x-art-lovers-club-lofficiel Zwei Mitglieder des ALC im Studio von Zhivago Duncan ©Silke Briehl[/caption] Weiter geht es zum Ateliergelände in Weißensee, das vor einem Jahr beim Gallery Weekend 2015 mit der Ausstellung NGORONGORO Aufsehen erregte. Jonas Burgert, Zhivago Duncan, und Andreas Golder haben hier u. a ihre Studios. Uns empfängt der Künstler Christian Achenbach und wir spazieren um seine Skulpturen und an seinen Bildern vorbei. Ob nun mehr Kubismus oder Popart, seine Arbeiten sind vor allem Farbexplosionen. Die Stimmung ist jetzt heiter gelassen und bevor wir noch in der Galerie Sexauer vorbeischauen, sitzen wir ein bisschen auf den Bänken des Innenhofs und ich komme mit den anderen Teilnehmerinnen der Tour ins Gespräch. Auch das ist die Idee des Art Lover Club und sie geht erstaunlich gut auf. Ich bin drei Visitenkarten reicher. Kurze Zeit später suche ich in den Malereien von Alexander Iskin interreale Zustände, eine Wahrnehmungsebene zwischen digitaler und realer Wirklichkeit. Jan-Philipp Sexauer erklärt das sympathisch gelassen und trotzdem überschwänglich. Genau so präsentiert sich auch der kleine Salon, der neben dem White Cube der Galerie liegt. Dicht an Dicht drängen sich Werke verschiedener Künstler. Ich trenne mich nur schwer von dem gemütlichen Ledersofa, das hier auch steht. [caption id="attachment_16204" align="alignnone" ]gallery-weekend-x-art-lovers-club-lofficiel Der Galerist Jan Phillip-Sexauer redet über Alexander Iskins interreale Malereien ©Silke Briel[/caption]
Und wo waren die anderen Kuratoren? Auf der Terrasse der Ehemaligen Jüdischen Mädchenschule bei Michael Fuchs, treffen sich alle ALC Mitglieder wieder. Wie gut, das der Frühling rechtzeitig zum Wochenende begonnen hat. Valérie Favre Professorin an der UDK war mit ihren Kunstliebhabern in den Ateliers von Studierenden. Die Gruppe von Lydia Korndörfer war bei Wolfgang Tillmans in der Buchholz Galerie – sogar mit Gastauftritt von Chris Dercon. Da wäre ich natürlich auch gerne dabei gewesen. Ich bin trotzdem happy. Hätte ich doch sonst nicht von Mühes geheimnisvollem Projekt erfahren und mit Jan-Philipp Sexauer über Courbets „L’Origin du Monde“ diskutiert. Aber so ist es das eben mit dem Gallery Weekend, man kann nie alles sehen. Muss man auch nicht, denn die meisten Ausstellungen laufen ja noch eine Weile! Autorin: Charlotte Silbermann