Kunst

High-Fashion-Model Sasha Pivovarova über ihr Leben für die Kunst

von Annalena Graudenz, Usa
13.02.2018
Model, Mutter, Künstlerin – Kreativkopf Sasha Pivovarova spricht über ihre Liebe zur Kunst und die Kooperation mit Dior

Sie arbeitet als High-Fashion-Model, ist Mutter einer 5-jährigen Tochter und absolut kreativ. Sasha Pivovarova war ihr Leben lang von Kunst fasziniert. „Ich bin eine Expressionistin", erzählt sie während der New York Fashion Week. Für ein Event des Luxus-Labels Dior hat sie Kunst-Installationen kreiert. Skulpturen in Form von Körpern aus bunten Tapes, Bilder, Collagen – und ein weißer Raum, den sie mit expressiven Gesichtern bemalt hat. Am Tag vor der Ausstellung ließ sie sich bei ihrer Arbeit in besagtem Raum filmen. „Wir wollten das Leben des Raums zeigen und den Weg der Transformation", sagt sie.

Die schwarzen, verlaufenden Gesichter erinnern an ihre letzte Kampagne für Dior, für die sie ebenfalls malte und modelte. Das alles passte perfekt in das Frühjahrs-Thema von Diors Artistic Director Maria Grazia Chiuri: weibliche Künstlerinnen. Ein Gespräch mit Sasha Pivovarova, 33, über Künstlerinnen, die sie inspiriert haben, wie das Muttersein ihre Arbeit beeinflusst und über ihre tiefe Passion für die bildende Kunst.

Inwieweit beeinflusst Sie die Arbeit als Künstlerin?

Ich bin Maria Grazia Chiuri sehr dankbar für diese Chance und dass sie an meine Kunst und meine Kreativität glaubt. Sie ist so talentiert, in den verschiedensten Bereichen. Meine Ausstellung soll zeigen, wie stark und mächtig Frauen sein können. Diese Message will ich transportieren. Wir sind mehr als Hausfrauen und Mütter. Auch wenn es natürlich wundervoll ist, eine Mutter zu sein … Ich habe selbst eine Tochter.

Wir sind mehr als nur das eine: wir sind multifunktionial. Wir denken anders als Männer. Die fokussieren sich auf eine Sache, wir können multitasken. Wir können alles tun und sein. Wir sind Mütter, Supermodels, Künstlerinnen, Designerinnen – was immer wir wollen. Als Mutter sehe ich, dass die Welt sich in eine gute Richtung bewegt. Es wird in Zukunft immer mehr Möglichkeiten für unsere Töchter und die nächste Generation geben. Es werden sich mehr Türen öffnen. 

Was ist die Geschichte hinter Ihren Skulpturen?

Meine Skulpturen sind meine Babies, meine Venus, meine Madonna. Ich liebe es, Kunst zu recyclen. Es gibt eine Serie, in der ich Tape benutze. Ich habe es auf dem Schreibtisch meiner Tochter gefunden – fünf Farben. Daraus habe ich ein Mosaik gebaut. Ich mag die Vorstellung, aus einem Material, das die Umwelt zerstört, Kunst zu machen. Etwas Schönes zu kreieren. Das Spannende ist doch, dass Kunst jahrtausende lang aus Stein gemacht wurde. Die nächsten 600 Jahre dann aus Canvas und Papier. Heute sind neue Technologien und Techniken im Fokus. In meiner Ausstellung zeige ich deshalb verschiedene Serien. Die Menschen sollen Teil meiner Welt werden.  

Warum war Kunst schon immer Ihre Leidenschaft?

Ich habe schon immer Kunst gemacht und einfach nie aufgehört. Jedes Kind kann malen. Aber ab einem bestimmten Alter, fangen die meisten an, mit Autos oder Puppen zu spielen. Und ich habe weiter gemalt. Ich liebe die verschiedenen Farben. Aufgewachsen bin ich in der Sowjetunion, der grauesten Welt, die man sich vorstellen kann. Der blaue Himmel und die gelbe Sonne waren die einzigen Farben dort. Wahrscheinlich liebe ich sie deshalb so sehr. Ich liebe Schönheit, ich liebe Mode. In meiner Heimat gab es kaum schöne Dinge, deshalb habe ich Kleidung von meiner Mutter genommen und die Sachen neu designt. Mein ganzen Leben hatte ich das Bedürfnis, mich kreativ auszudrücken. Diese Ausstellung ist also ein Ausdruck meiner Welt. Alles, was ich anfasse, trägt einen Sasha-Stempel. 

Eine letzte Frage: Welche Künstlerinnen haben Sie inspiriert?

Es gibt so viele Künstlerinnen und ich freue mich wirklich, dass wir mehr und mehr anerkannt werden. Niki de Saint Phalle, Cindy Sherman. Ich mag Kunst von Frauen, weil da eine ganze Welt hintersteckt. Es nicht so, dass Du nur ein Bild siehst. Du musst die ganze Kollektion sehen. Wenn da zum Beispiel 50 Kleider sind, musst Du alle sehen, um das ganze Märchen zu erleben. In der Kunst ist es dasselbe. Wenn man ein Bild sieht ist es nicht genug. Man muss die ganze Serie ansehen, um die Welt der Künstlerin zu verstehen.

Sasha Pivovarova für Dior
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Fotograf: Kate Owen

Interview: Kristen Bateman

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