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Willkommen an der Loire

Im Tal der Könige und Schlösser sorgt Bouvet Ladubay seit fast 170 Jahren für ein besonderes Prickeln
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Das Tal der Loire gilt  mit seinen prunkvollen Königsschlössern und lieblichen Landschaften als eine der schönsten Gegenden Frankreichs. Das imposante Schloss Chambord mit über 400 Räumen und 300 Kaminen. Die historische Kleinstadt Vendôme, idyllisch an zwei Flussarmen des Loire gelegen. Oder Orléans, die Stadt der legendären Jeanne d’Arc. Alle zusammen bilden sie den unvergleichlichen Charakter dieser Region, die viele als die französischste überhaupt bezeichnen. Untrennbar mit dem Tal der Loire verbunden sind aber auch weitläufige Weinberge und malerische Weinbauorte, die mit ihrer Gastfreundschaft dem sprichwörtlichen »savoir vivre« alle Ehre machen. Neben frische Weißweine und leichten Rotweine ist es besonders der exzellente Crémant de Loire, den das kühle und milde Klima schafft.

Eine der bekanntesten Erzeuger ist das Schaumweinhaus Bouvet Ladubay. Das Fundament für diesen Erfolg legte Etienne Bouvet, der das Unternehmen 1851 im Dorf Saint-Hilaire-Florent, nahe Saumur, gründete. Schon von weitem ist das Schloss von Saumur zu sehen. Es liegt hoch über der Loire und der Stadt, die ihr blendend weißes Antlitz dem Tuffstein zu verdanken hat, einem Kreidegestein, das für den Bau von Schlössern, Abteien und sonstigen Bauwerken in den zu diesem Zweck in der Region geschaffenen Felsenhöhlen abgebaut wurde. Bouvet kam in den Besitz eines mehrere kilometerlangen Kellergewölbes, welches früher einmal Mönche hatten graben lassen und begann mit der Schaumweinproduktion. Innerhalb von 50 Jahren baute er Bouvet Ladubay zum größten Schaumweinproduzenten weltweit auf. Die über 1000 Jahre alten Gänge des Weinguts kann man sogar mit dem Fahrrad erkunden. Bis 1932 blieb Bouvet Ladubay in Familienbesitz. Anschließend ging es auf die Familie Monmousseau über, die das Haus nun seit über 80 Jahren leitet. Im Interview spricht Juliette Monmousseau über Kunst, ihr Lebensmotto und Umweltschutz:

LO: Frau Monmousseau, stellen Sie sich und Bouvet Ladubay unseren LeserInnen vor!

Juliette Monmousseau: Ich heiße Juliette und nicht Frau Monmousseau! Juliette Monmousseau, ich bin 43 Jahre alt und ich bin seit mittlerweile mehr als 10 Jahren wieder zu unserem Familienunternehmen Bouvet Ladubay in Saumur zurückgekehrt. Vorher habe ich in Paris gelebt, dort bei einem Filmverleih gearbeitet und in Angers in der Nähe von Saumur Grafik studiert. Seit ich klein war habe ich natürlich bei Bouvet Ladubay gearbeitet. Wir leben in einer traumhaften Region und seit meiner Kindheit habe ich dank Bouvet Ladubay Menschen aus aller Welt und aus allen Bereichen kennenlernen können – was ziemlich magisch ist und weshalb ich auch zurückgekommen bin.

LO: Was ist die Vision hinter Bouvet Ladubay ?

JM: Die Allianz zwischen Modernität und einem zeitgenössischen Geist an einem jahrhundertealten Ort mit Kellergewölben, deren Stein in den letzten 120 Millionen Jahren geformt wurde. Es dauert 150 Jahre, bis aus einer Eiche ein Fass werden kann, die besten Reben aus Saumur sind manchmal 100 Jahre alt. Das erinnert uns ständig an lange Zeitabläufe in dieser unverschämt schnelllebigen Welt.

LO: Neben Schaumwein ist auch die zeitgenössischen Kunst eine Ihrer Leidenschaften – erzählen sie uns davon

JM: Mein Vater hat immer viel gezeichnet, was nur wenige Leute wissen. Meine Mutter, die Schwedin ist, malt übrigens auch. Im Hotel/Restaurant meiner Großeltern in Schweden konnten die Künstler damals im Krieg immer mit Werken bezahlen, wenn sie kein Geld hatten. Ich glaube, diese Liebe für die Kunst ist schon seit Generationen in der Familie. Nächstes Jahr ist es 30 Jahre her, dass mein Vater sich dazu entschieden hat, das Zentrum Bouvet Ladubay für zeitgenössische Kunst zu errichten, was zu dieser Zeit äußerst visionär war – heute ist das selbstverständlicher. Wir haben sehr große Künstler aufgenommen und fahren damit dank Benoit Lemercier, unserem künstlerischen Leiter, fort.

LO: Sie unterstützen die Museen Gropiusbau in Berlin und das Haus der Kunst in München. Wie kam es zu diesen zwei Partnerschaften?

JM: Durch unsere langjährige Präsenz auf dem deutschen Markt und die Arbeit von Benoit Defranoux, der unsere Weine in Deutschland repräsentiert, habe ich  in Folge auf ein Portrait über meinen Vater Patrice Monmousseau im Magazin Die Zeit einen Brief bekommen, der unsere Passion für Kunst mit unserer Leidenschaft für Wein verband. Er war von Professor Gereon Sievernich und seinem Team, die uns vorschlugen, uns an den Projekten des Martin Gropius Bau zu beteiligen. Ich habe sofort geantwortet, dass ich mich sehr über diese Kontaktaufnahme freue, und dass er sich auf uns und unsere Flaschen Crémant de Loire verlassen kann. So haben wir dann sein Team kennengelernt und eine schöne Patnerschaft entstand. Dr. Suzanne Rockweiler, die in diesem Team war, ging später nach München zum Haus Der Kunst.

LO: Auf welche neuen Produkte können wir uns freuen?

JM: Mein Vater und ich sind immer »im Gärungsprozess«. Für das Ende des Jahres und für besondere Momente bringen wir einige hundert Exemplare von 1,5 Liter-Flaschen von unserer Cuvée OGMIUS Millésime 2015 (das Jahr, in dem wir Bouvet Ladubay zurückgekauft haben) und zu Ehren des Gründers Etienne Bouvet eine Zusammenstellung von Chenin und Chardonnay, die viele Monate in Fässern und dann in 1,5 Liter-Flaschen gereift sind, raus. Und im Frühling 2021 bringen wir erstmalig einen sprudelnden Schaumwein mit Holunderblütengeschmack namens  »Célestine« zu Ehren der Frau von Etienne Bouvet raus. Sie war es, die ihm die Keller, in denen er Bouvet Ladubay gegründet hat, als Mitgift schenkte. Dazu wird es noch einen tollen Weißwein geben, der »Oh« heißen wird, wie »Oh, wie ist das lecke« – AUS 100% Chenin, die weiße Königsrebsorte der Loire.

LO: Haben Sie einen Lieblings-Crémant de Loire ?

JM: Crémant de Loire ist ein Name, der 1975 gleichzeitig von der Loire, der Bourgogne und dem Elsass kreiert wurde, um gleiche manuelle Verkaufspraktiken, eine traditionelle Methode, Minimum 12 Monate im Keller und einen für jede Region typischen Rebsortenbestand zu kennzeichnen. Meine Lieblingscrémants sind die »Cuvée Saphir«. Sie wird auch »Saumur Brut« genannt und ist quasi der Vorfahr des Crémant de Loire. Unsere Cuvée ist weiß, was selten ist, und enthält 90% Chenin und 10% Chardonnay mit all der Frische, die man von den Weinen hier erwartet und die zu allem getrunken werden kann - Sashimi, Bellota-Serrano oder  gegrilltem Fisch!

LO: Sie sind im Umweltschutz aktiv. Wollen Sie uns von Ihren Aktionen erzählen ? Was hat Sie motiviert, aktiv zu werden?

JM: Wie jede Person und jede Firma müssen wir uns über unsere Aus- und Einwirkungen bewusst sein und die Zukunft vorbereiten. Bouvet Ladubay hat zwar keine eigenen Weinberge, aber mir war es wichtig, das wir uns engagieren. Wir sind der einzige privaten Partner vom »Office National des Fôrets en Maine et Loire« und arbeiten seit 5 Jahren an der Aufforstung eines verbrannten Waldes, 2km von unseren Kellern entfernt. Wir haben Gebiete mit hoher Biodiversität für Insekten und Vögel erhalten und sie zahlenmäßig erfasst – eine eher ruhige und lokale Aktion, wir machen das halt nicht für das grüne Label. Und dann werden wir in diesem Jahr die Schulungszyklen abschließen, um die Best Practices unserer Winzer bei der Landwirtschaftskammer Pays de Loire für das Haute Valeur Environnementale-Label zu zertifizieren und arbeiten dann mit 80 Winzern auf 850 Hektar zusammen. 

LO: Haben Sie ein Lebensmotto?

JM: Zu Teilen, gemeinsam und mit dem schönen Hintergrundgeräusch eines gerade entkorkten Crémant de Loire oder Saumur Brut

 

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