Fashion

Langlebiges Wegwerfobjekt

PB 0110 und Lars Eidinger verewigen einen Klassiker der deutschen Kultur
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Alles fing mit einer Sprachmemo an, die Philipp Bree an Lars Eidinger schickte. Darauf folgte schnell ein Treffen an der Berliner Schaubühne, Arbeitsort Eidingers. Was besprachen der Gründer von PB 0110 und der Schauspieler? Das weiß niemand so richtig. Fruhtrunk und das ikonische Design der seit letztem Jahr nicht mehr verkauften Aldi-Tüte schienen zumindest zwei zentrale Themen ihrer Diskussion gewesen zu sein. 1970 stellte sich heraus, dass das Motiv des weiß-blauen Plastik-Shoppers von Günter Fruhtrunk stammt, einem abstrakten Maler, Grafiker und Professor bei der Akademie der Bildenden Künste in München. Er bezeichnete damals diesen kommerziellen Job als »Sünde« und zahlte zum Ausgleich sogar 400 DM in die Klassenkasse. Sein Design wurde jedoch Teil des wahren, alltäglichen Lebens von Millionen von Menschen. Das erkennbare Farbschema wurde sogar von Demna Gvasalia für Balenciagas Herbst-Winter 2017 Kollektion aufgegriffen. Die Discounter-Streifen wanderten damals allerdings von der Tüte zum Oversized-Schal.

Eidinger ist für die Überschreitung von Grenzen bekannt. Seine Auftritte in der Mode- und Kunstszene haben ihn zu einer Ikone gemacht, die über das Schauspiel hinweg zusätzliche Talente und Interessen pflegt. So anscheinend auch das Design. Seine Faszination für Yves Kleins »Monochromes Blau« sowie die Gattungen des Art Multiple und des Ready Made führten zur seiner Begeisterung von Fruhtrunks Werk. Gleichzeitig befriedigt die Größe der Aldi-Tüte seine Erwartungen an eine Tasche: »Ich habe mich gefragt, welchen Zweck eine Tasche für meine Ansprüche erfüllen müsse und bin darauf gekommen, dass ich oft eher Tüten als Taschen benutze«, so Eidinger. Die Plastiktüte als Vorlage für ein hochwertiges Designobjekt. In diesem Fall ein  Klassiker, den das ökologische Besorgnis zurecht vom Markt gescheucht hat. Bree ermöglichte Eidinger, das ikonische Objekt der deutschen Einkaufskultur zu verewigen. Das Format bleibt gleich, nur wird der »LE« getaufte Leder-Shopper  aus  in Deutschland gegerbtem Rindleder produziert. Die beiden kreativen Köpfe verfolgen somit das Ziel, ein nachhaltiges und zeitloses Produkt einzuführen, das auf 250 Exemplare limitiert wird. Das Wegwerfobjekt mutiert so zu einem hochwertigen Sammlerstück mit emotionaler Verbindung. 

Als Sünde wirkt jedoch die bereits in den deutschen Medien kritisierte Kampagne zum Launch der Tasche. Dort inszeniert sich Eidinger Nachts mit der LE in verschiedenen Posings und Settings. Die Versatilität des Stückes zu demonstrieren ist jedoch hier nicht das Ziel, da sich der Schauspieler auf einem Bild sogar neben den Habseligkeiten eines Obdachlosen fotografieren ließ. Dieses wohl ironisch gedachte Bild sorgte für besondere Empörung, verständlicherweise. Dabei ist Eidinger nur wieder gelungen, zu provozieren und Aufmerksamkeit auf sein neues Projekt zu lenken. 

Die »LE1« kann ab diesem Monat online vorbestellt oder ab Juni in ausgewählten Stores und online erworben werden.

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