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Interview: Rita Mamun

von L'Officiel Germany
12.07.2017
Sie gewann zahlreiche Preise, krönte ihre Karriere im Jahr 2016 mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen – wir trafen Rita Mamun zum Interview

Auf den ersten Blick wirkt Rita Mamun zurückhaltend, fast schon schüchtern: Die Olympiasiegerin der rhythmischen Sportgymnastik bleibt trotz ihres Erfolgs bescheiden, schiebt nicht sich selbst, sondern den Sport in den Mittelpunkt. Wir sprachen mit ihr über Bodyshaming, Frauen im Sport und Erfolgsrezepte:

Deine Mutter war auch rhythmische Sportgymnastin – in welchem Maße hat dich das in deiner Karriere beeinflusst?

Diese Tatsache hatte direkten Einfluss auf mich. Eltern können uns üblicherweise zu jeder Sportart bewegen. Natürlich sollte ich meiner Mutter dankbar dafür sein, dass sie die rhythmische Sportgymnastik gewählt hat. Ihre Unterstützung gibt mir jeden Tag Kraft.

Was war für dich das bisher einflussreichste Ereignis in deiner Karriere?

Zweifellos als ich erfahren habe, dass ich ein Mitglied des russischen Nationalteams sein würde!

Was sind die größten Herausforderungen und Hürden in der Welt der rhythmischen Sportgymnastik? 

Am schwierigsten ist für mich die Selbstüberwindung während des Trainings. Die körperliche Übung ist der wichtigste Teil daran und ohne sie wäre das Ergebnis nicht das beste. Außerdem ist es hart mit dem eigenen Kampfgeist umzugehen.

Eine professionelle Sportlerin zu sein ist kräftezehrend und kein Beruf den du für den Rest deines Lebens ausüben kannst – was planst du für deine Karriere nach der rhythmischen Sportgymnastik?

Es ist nicht einfach früh morgens aufzustehen und ins Fitnessstudio zu gehen, wo man dann die meiste Zeit des Tages verbringen wird. Für all das braucht man eine starke Motivation und ein klares Ziel vor Augen. Für eine professionelle Athletin ist es schwer sich in irgendeinem anderen Berufsfeld zu sehen. Darüber kann ich erst nachdenken, wenn es soweit ist.

Wie sieht deine typische Fitnessroutine aus?

Ich würde dir gerne von meinem Tagesablauf vor den Olympischen Spielen in Rio 2016 berichten. Ich musste sechsmal pro Woche trainieren. Mein Tag begann um 8.30 Uhr morgens. Um 10 Uhr hatte ich Choreografie-Training, wo wir wie im Ballett verschiedene Übungen an der Barre gemacht haben. Nach diesem ersten Aufwärmen begann das erste Training, das drei Stunden dauerte. Danach gab es Mittagessen. Die zweite Trainingsrunde startete um 16 Uhr und endete um 19 Uhr. Im Anschluss wurde zu Abend gegessen, sich etwas erholt und dann geschlafen. Tagein, tagaus. Momentan versuche ich Kraft zu sammeln und meine Tage sehen anders aus. Ich trainiere ein paar Tage pro Woche und habe viele interessante Projekte mit meinem Team. Gegen Ende letzten Jahres starteten wir eine Kooperation mit Intimissimi und ein interessantes Projekt im digitalen Bereich wird auch demnächst veröffentlicht. Zudem bin ich, neben weiteren Verpflichtungen, die Repräsentantin der Stadt Goyang in Korea. Im September diesen Jahres werde ich außerdem heiraten.

Denkst du, dass Ehrgeiz ein Erfolgsrezept ist?

Ehrgeiz ist genauso wichtig wie die großen Ziele, die dahinter stecken.

Was bedeutet es für dich stark zu sein?

„Stark sein“ bezieht sich für mich nicht nur auf das Äußere, Physische, sondern auch das Innere. Es bedeutet Rückgrat zu haben. Mit der Zeit und der Erfahrung, die mit den verschiedenen Wettkämpfen einher gehen, habe ich ein innerliches Vertrauen zu mir selbst aufgebaut.

Und was macht dich stark?

Vor den Olympischen Spielen gaben mir mein Trainer Zaripova Amina Vasilovna und meine Familie durch ihre Unterstützung zusätzlichen Halt.

Bei der rhythmischen Sportgymnastik spielt das Aussehen eine wichtige Rolle – hast du Erfahrung mit Body Shaming oder dem Druck einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen zu müssen?

Nein, ich habe mich nie für meinen Körper und seine Form geschämt. Natürlich müssen wir in der rhythmischen Sportgymnastik auf unser Gewicht und das Aussehen achten. Vor den Olympischen Spielen gingen wir beispielsweise jeden Morgen und Abend auf die Waage.

Bist du der Meinung, dass Frauen im Sport in Hinblick auf ihre männlichen Mitstreiter ausreichend repräsentiert und unterstützt werden?

Es ist alles abhängig davon, wie beliebt dein Sport ist. Erregt er Interesse oder nicht? Ich denke, dass die rhythmische Sportgymnastik eine der schönsten Sportarten ist und der Fokus sich auf beide Geschlechter – Frauen wie Männern – richten sollte. Es fällt mir allerdings schwer zu sagen in welchem Verhältnis. Ich würde gerne denken, dass es sich in gleichem Maße verteilen sollte.

Was liebst du an deinem Beruf? Und was gefällt dir nicht so sehr?

Natürlich liebe ich meinen Sport und ich habe nichts Negatives darüber zu sagen. Wie ich zuvor bereits sagte, die rhythmische Sportgymnastik ist eine der ästhetischsten und kunstvollsten Sportarten. Der Sport hat eine positive Auswirkung auf den Kampfgeist, er trainiert den Willen sich selbst hohe Ziele zu setzen und zu gewinnen. Außerdem verbinde ich damit früheste Kindheitserinnerungen – und man entwickelt einen guten Musikgeschmack! Viele Leute haben den Eindruck, dass die meisten unserer Programmelemente leicht zu erreichen sind, aber dahinter steckt ein riesiger Arbeitsaufwand vieler Leute, dank derer unser Team weiterhin die besten Ergebnisse präsentieren kann.

Vielen Dank für das Interview!

Foto Credits: © ONE SGM

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